Weltkriegs- und Staatsvertragsgedenken in Lourdes
Mit einer Messe bei der Grotte der Marienerscheinung in Lourdes haben Soldaten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht und den Einsatz für Frieden und Versöhnung bekräftigt. Der designierte österreichische Militärbischof Werner Freistetter erinnerte in der Predigt an die Unterzeichnung des Staatsvertrags vor 60 Jahren und die Worte des damaligen Außenministers Leopold Figl. Dieser habe vor dem berühmten "Österreich ist frei" einen "ausdrücklichen Dank an Gott für den Staatsvertrag" ausgesprochen. Dankbarkeit für das Geschenk der Freiheit und der Wille zur Versöhnung angesichts der furchtbaren Weltkriegsereignisse seien bleibende Aufträge. Ausdruck dafür sei die Internationale Soldatenwallfahrt, so Freistetter bei der Messe am Freitagvormittag.
Der bisherige Leiter des Instituts für Religion und Frieden verwies angesichts aktueller Ereignisse darauf, dass Friede und Versöhnung immer bedroht seien. Statt wie von Gott gewollt "Hüter des Bruders" zu sein, sei der Mensch immer eine Bedrohung für den anderen. Die Botschaft von Lourdes mache deutlich, dass "Hoffnung und Licht aus einer anderen Welt" in die irdische Wirklichkeit hineinreichen. Von daher seien letztlich gegen alle irdischen Widrigkeiten Umkehr, Versöhnung und Heilung möglich. Auf die große Fragen nach dem Grund für das Leid der Menschen könne "kein Satz, sondern nur die Liebe Auskunft geben". Daher gelte es "immer mehr liebende Menschen als Zeichen der Hoffnung" zu werden.
An der Messe bei strömenden Regen nahmen nicht nur die österreichischen Soldaten teil, deren Kontingent sich mittlerweile auf 494 Pilger erhöht hat. Auch Militärangehörige anderer deutschsprachiger Länder sowie eine Abordnung der Schweizer Garde in ihren traditionellen Renaissance-Uniformen feierten mit. Der deutsche Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann stand der Eucharistiefeier vor und schloss die Messe mit einer ausdrücklichen Segensbitte für den designierten österreichischen Militärbischof, der am 11. Juni in Wiener Neustadt die Weihe empfangen wird.
Die österreichischen Pilger haben ihre Wallfahrt in Lourdes am Donnerstagabend mit einem Gebet in der Basilika Superieur oberhalb der Grotte begonnen, bei dem die mitgereiste Gardemusik erstmals spielte. Die internationale Eröffnung des Zeltlagers für rund 6.000 Soldaten findet am Freitagnachmittag statt. Das Gastgeberland Frankreich wurde beim Lageraufbau von Militärangehörigen aus Deutschland und Österreich unterstützt.
Am Freitagabend folgt die offizielle internationale Eröffnungsfeier in der unterirdischen Basilika Pius X. Weitere Höhepunkte der 57. Soldatenwallfahrt sind die Lichterprozession am Samstagabend und der Gottesdienst am Sonntagvormittag, den alle 15.000 Soldaten aus 40 Nationen gemeinsam feiern.
Die jährlich stattfindende Soldatenwallfahrt nach Lourdes entstand 1958 aus einer gemeinsamen Initiative französischer und deutscher Militärseelsorger. Heute ist sie die größte europäische Friedenskundgebung von Soldaten mit katholischem Bekenntnis in den europäischen Armeen. Aus der Pilgerfahrt französischer Soldaten nach Lourdes im vorletzten Kriegsjahr 1944 entwickelte sich eine regionale, nationale und schließlich internationale Bewegung. Österreichische Soldaten nehmen seit 1958 an der Wallfahrt teil.
Quelle: Kathpress