
Erinnerung an NS-Zeit wach halten
Im Blick auf den bevorstehenden Franz-Jägerstätter-Gedenktag am 21. Mai, an dem die Kirche jedes Jahr dem seliggesprochenen Märtyrer die Ehre erweist, hat die Katholische Männerbewegung Österreichs (KMB) am Wochenende eine Sternwallfahrt zum Geburtshaus des Kriegsdienstverweigerers nach St. Radegund veranstaltet. Der Historiker und Jägerstätter-Experte Thomas Schlager-Weidinger rief dazu auf, die Erinnerung an die Zeit des NS-Regimes stets wach zu halten: "Trotz Abwehr, Verdrängung und Verleugnung muss die NS-Zeit Teil unseres Erinnerns und Gedenkens bleiben", so Schlager-Weidinger: "Werden Sie aktiv: Stöbern sie in ihrer eigenen Familiengeschichte nach - nicht um zu verstecken, sondern um zu verstehen."
Der Historiker rief auch dazu auf, sich im Sinne des seligen Franz Jägerstätter in der aktuellen Flüchtlingsdebatte auf die Seite der Menschlichkeit zu stellen. Ein menschenverachtendes Wirtschaftssystem, das "den Menschen auf das Faktum der Humanressource reduziert", dürfe nicht Maßstab für christliches soziales Handeln sein.
Ausgehend von verschiedenen Orten in Deutschland und Oberösterreich kamen die Wallfahrer zu Fuß oder mit dem Fahrrad nach St. Radegund, "um ein Zeichen für Zivilcourage zu setzen und zu unterstreichen, dass der Einsatz für Menschenrechte auch heute wichtig ist", wie die Männerbewegung mitteilte. An der Wallfahrt nahmen auch Asylwerber teil. Sie unterstrichen in ihren Statements, dass sich kein Flüchtling grundlos auf den lebensgefährlichen Weg aus der Heimat macht. "Wir wollen in Frieden und Sicherheit leben. Es tut sehr weh, zu wissen, dass ich meine Familie zurücklassen musste, aber ich kann nicht für das Assad-Regime kämpfen", so ein Flüchtling aus Syrien.
Der Abschlussgottesdienst wurde im Freien auf der Wiese vor dem Jägerstätterhaus in St. Radegund zelebriert. Festprediger Diakon Paul Röttig hob dabei hervor, dass Franz Jägerstätter exemplarisch gehandelt habe, niemals aber egoistisch. Der Märtyrer sei zugleich nicht ohne seine Frau Franziska zu denken. Eigentlich hätten beide gemeinsam selig gesprochen werden müssen, so die Einschätzung Röttigs. So schwer es auch für Franziska gewesen sei, sie habe mit ihren Kindern die Entscheidung ihres Mannes mitgetragen.