
Teil des Problems "hausgemacht"
Caritas-Präsident Michael Landau hat am Freitagabend seine Kritik an der Unterbringung von Flüchtlingen in Zeltlagern bekräftigt. "Zeltlager sind die denkbar schlechteste Lösung", sagte der Präsident in der "Zib2" am Freitag. Er weigere sich zu glauben, "dass Zeltstätten wirklich ohne Alternativen waren". Schließlich gebe es Unterbringungsangebote Seitens der Kirche und vieler NGOs. Ein Teil des Problems sei "hausgemacht" und auf eine schlechte Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen den Gebietskörperschaften und den Ministerien zurückzuführen.
Landau formulierte einen "Appell zur Mitmenschlichkeit" und rief dazu auf, den parteipolitischen Streit zur Seite zu legen. Er appellierte auch an die Solidarität und verwies darauf, dass nur 20 Prozent der Gemeinden Flüchtlinge aufnehmen. Er habe auch Verteidigungsminister Gerald Klug angeboten, über die Betreuung von Asylwerbern in Kasernen zu reden. "Wir sind bereit unseren Teil beizutragen", so Landau.
Zeltstätten als letzte Lösungen würden auch ein falsches Signal an die Gemeinden senden: Innenministerium und die Landeshauptleute müssten vielmehr mit gutem Beispiel voran gehen und das Positive stärken, das ohnehin schon das sei. Den Vorbehalten in der Bevölkerung sei am besten mit Begegnung beizukommen. Die Erfahrung der Caritas zeige: Dort wo eine direkte Begegnung zwischen Flüchtlingen und Bevölkerung statt findet, nehme der Widerstand der Bevölkerung ab.
Landau sprach sich einmal mehr für eine gesamteuropäische Lösung aus. Es brauche eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge auf alle EU-Länder. Um nachhaltig Flüchtlingsströme zu vermeiden, müsse außerdem in den Herkunftsländern der Flüchtlinge angesetzt werden. "Wenn mit einer Million Euro zehntausende Menschen nachhaltig vom Hunger befreit werden können, dann sind das zehntausende Menschen weniger, die versuchen auf wackligen Booten das Mittelmeer zu überqueren."
Schwertner: Zelte sind im Libanon nötig aber nicht in Österreich
Kritisch äußerte sich im Vorfeld der "ZiB2" Caritas-Wien-Generalsekretär Klaus Schwertner. "Wir wünschen uns als Caritas, dass die Zelte besser heute als morgen abgebaut werden", so Schwertner: "Zelte sind notwendig im Libanon oder in Nepal aber sicher nicht in Österreich im Jahr 2015."
Er habe beim jüngsten Gipfelgespräch am Freitagvormittag im Innenministerium zwischen Behördenvertretern und NGOs einmal mehr die Bereitschaft der Caritas deponiert, sich gemeinsam mit Pfarren und Klöstern um weitere Quartiere für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge zu bemühen.
Wie Schwertner gegenüber "Kathpress" sagte, würde die Caritas auch die Betreuung im vor der Wiedereröffnung stehenden Asyl-Notquartier in Wien-Erdberg übernehmen. Rund 300 Asylwerber sollen laut Medienberichten in das Notquartier einziehen.
Es liefen derzeit auch Gespräche, die Magdeburg-Kaserne in Klosterneuburg bzw. einen Teil davon als Grundversorgungshaus für Flüchtlinge zu nützen. Das Stift Klosterneuburg hat dieser Tage die Kaserne vom österreichischen Bundesheer gekauft. Die politisch Verantwortlichen von Klosterneuburg wie auch das Stift würden eine Flüchtlingseinrichtung begrüßen, so Schwertner.
Die Caritas betreut und versorgt österreichweit aktuell 3.500 Menschen im Rahmen der Grundversorgung. Fast 8.580 Menschen, die nicht in einem Caritas-Quartier untergebracht sind, werden mobil von Caritas-Mitarbeitern betreut. Das sind in beiden Betreuungsformen über 3.400 mehr Menschen als noch im Sommer des Vorjahres.
Schwertner wies gegenüber "Kathpress" auch auf die Initiative "Gegen Unrecht" hin. Mehr als 43.000 Menschen hätten bereits gegen den menschenverachtenden Umgang mit Flüchtlingen an den Grenzen Europas sowie für eine europaweite menschliche Politik im Umgang mit schutzsuchenden Menschen unterschrieben. Die Initiative wird Samstagabend in Wien beim Life-Ball im Rathaus für ihre Anliegen werben und am Sonntagnachmittag beim Wiener Fußball-Derby im Ernst Happel-Stadion zwischen Rapid und Austria ebenfalls auf ihre Anliegen aufmerksam machen, kündigte Schwertner an. (Infos: www.gegen-unrecht.at)