
"Fühle mit allen Flüchtlingen"
Seine persönliche Lebensgeschichte als Flüchtling und seine Schlussfolgerungen daraus für die Lage von Asylwerbern heute hat der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz am Samstag in einem "Geburtstagsinterview" für die "Oberösterreichischen Nachrichten" (OÖN) auf den Punkt gebracht. Schwarz, der in der Slowakei geboren wurde, 1945 aufgrund er Benes-Dekrete vertrieben wurde und dann mit seinen Eltern zehn Jahre in Wien als Staatenloser leben musste, wird am Donnerstag 75 Jahre alt. Sein Rücktrittsgesuch hat er beim Papst bereits eingereicht.
"Ich fühle mit allen Flüchtlingen, weil ich weiß, wie belastend es ist, entwurzelt zu sein. Ein Flüchtling weiß nie, wohin er gehen soll und ob er dort, wo er hinkommt, angenommen wird", sagte der Bischof, der in der Österreichischen Bischofkonferenz für die Entwicklungshilfe zuständig ist.
Als besondere Höhepunkte seiner - mit 6. Juli 2015 zehnjährigen - Amtszeit in Linz bezeichnete Schwarz die Seligsprechung von Franz Jägerstätter im Oktober 2007 und die Begegnungen mit Papst Benedikt XVI. und Papst Franziskus. Er sei zwar Wiener, aber sehr gerne in Linz. "Und ich möchte hier auch meine Pension verbringen, wenn es geht", sagte der Jubilar im OÖN-Interview.
Ebenfalls in diese Wochen fällt auch der 70. Jahrestag der Vertreibung der Deutschstämmigen aus dem slowakischen Heimatdorf des Linzer Bischofs, Bruck an der Donau. Die Vertreibung war Folge der in der Tschechoslowakei durchgeführten Benes-Dekrete. Unter Österreichs Bischöfen ist auch Kardinal Christoph Schönborn ein Betroffener.
"Am 2. Juli 1945, da war ich fünf Jahre alt, ist unser Dorf, Bruck an der Donau, umstellt worden", berichtete Schwarz im Interview: "Innerhalb von zwei Stunden mussten alle 1.800 Einwohner das Dorf räumen. In Achterreihen mussten wir marschieren. Ein Aufseher hat meine zweijährige Schwester Theresia, die mein Vater in einem Holzwagerl schob, herausgerissen, den Vater geohrfeigt und geschrien, ob er nicht weiß, dass wir alle beweglichen Güter verloren haben. Dann kamen wir in ein mit Stacheldraht umzäuntes Lager bei Pressburg, ohne Essen, ohne Unterkünfte. Als dort Typhus und Ruhr ausgebrochen sind, wurde das Lager auf Druck der Siegermächte geöffnet. Dann sind wir nach Österreich marschiert, weil das am Nächsten lag. Zuerst nach Berg in Niederösterreich. Gejubelt hat keiner. 50 Leute, teilweise krank, so wie meine kleine Schwester Resi, die dort an Typhus gestorben ist. Verjagen konnte man uns aber auch nicht, und weil den Bauern von den Russen die Rinder weggenommen worden sind, waren die Ställe leer. Da durften wir rein. Aber wir hatten nichts zu essen. 'Müssts halt betteln gehen', hat der Bürgermeister gesagt. Das haben wir getan. Um einen Apfel, ein Stück Brot. Als in Wien Arbeitskräfte gesucht wurden, gingen wir dorthin, in ein Barackenlager im dritten Bezirk. Da bin ich aufgewachsen."
Er glaube vor diesem Hintergrund, dass Österreicher in ihrem Wohlstand zu hart gegenüber Flüchtlingen seien, so der Bischof: "Es gehört ja zu den grundsätzlichen menschlichen Aufgaben, dass er Seinesgleichen hilft und aufnimmt. Jesus hat gesagt: 'Ich war hungrig, und du hast mir zu essen gegeben. Ich war obdachlos, und du hast mich aufgenommen.' Das ist der springende Punkt. Deshalb habe ich auch sofort, als die große Flüchtlingswelle kam, das Kloster Gleink zur Verfügung gestellt. Wir könnten dort noch viel mehr aufnehmen, wenn es gewünscht wird."
Die OÖN befragte Schwarz auch zur irischen Abstimmung zur Homosexuellen-Ehe. Er sagte, wer "sich an Gottes Gebot" halte, würde so nicht abstimmen. "Wir als Kirche können Homosexualität nicht gutheißen, weil sie gegen die Aussage Gottes steht. Er schuf den Menschen als Mann und Frau und nicht als Mann und Mann oder Frau und Frau. Die Ehe ist von Gott gewollt, zur Weitergabe menschlichen Lebens."
Gottesdienste in Bratislava und Linz
Die erste Feier zum 75er von Bischof Schwarz ist ein Gottesdienst am Dienstag, 2. Juni, 15 Uhr, im Dom von Bratislava/Pressburg mit Priestern der dortigen Erzdiözese. Unweit der slowakischen Hauptstadt, aber noch im Pressburger Adminstrationsbezirk, steht das Geburtshaus von Ludwig Schwarz in Bruck/Most.
Am Freitag, 5. Juni, feiern dann im Linzer Priesterseminar Pfarrer, Domkapitel, Mitglieder der Salesianer Don Boscos - Schwarz gehört dem Orden seit 1959 an -, Verwandte und Freunde gemeinsam. Am Dienstag, 9. Juni, findet um 11 Uhr zu Ehren des Bischofs ein offizieller Festakt an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz statt. Dabei wird sich u.a. auch Landeshauptmann Josef Pühringer als Gratulationen einstellen. Präsentiert wird im Rahmen des Festaktes die Festschrift "Contra Spem Sperare - Aspekte der Hoffnung" zum 75. Geburtstag des Bischofs.
Ludwig Schwarz, geboren am 4. Juni 1940, studierte nach dem Ordenseintritt Theologie in Klagenfurt und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benediktbeuern (Bayern). Er wurde am 29. Juni 1964 vom Augsburger Bischof Josef Stimpfle zum Priester geweiht und kam als Kaplan in die Pfarre Don Bosco in Graz. Danach studierte er Klassische Philologie und Archäologie an der Universität Wien und war gleichzeitig Krankenhausseelsorger. 1970 promovierte er zum Doktor der Philosophie. Von 1969 bis 1978 war er Rektor des Interdiözesanen Seminars für Priesterspätberufe in Horn, anschließend Provinzial der Österreichischen Salesianerprovinz mit Sitz in Wien.
1984 kam Schwarz nach Rom. Zuerst war er Direktor des internationalen Don Bosco-Konvikts an der Päpstlichen Universität der Salesianer. Ab 1985 unterrichtete er an dieser Universität klassische und christliche Philologie. Ab 1993 war er Provinzial der Salesianer für Rom/Latium.
1999 erteilte Schwarz in Rom der Ruf des Nuntius, nach Wien zurückzukehren, um als Nachfolger von Abt Gregor Henckel-Donnersmarck in der Position eines Nationaldirektor den Österreich-Zweig der Päpstlichen Missionswerke/Missio zu leiten. Papst Johannes Paul II. ernannte Schwarz am 15. Oktober 2001 zum Titularbischof von Simidicca und Weihbischof in Wien. Die Bischofsweihe erfolgte am 25. November 2001 im Stephansdom. Am 6. Juli 2005 wurde Schwarz zum Bischof von Linz ernannt. Die Amtseinführung erfolgte am 18. September 2005.
In Wien leitete Schwarz auch das diözesane Referat für Mission und Entwicklung. Österreichweit ist er weiterhin als zuständiger Bischofskonferenz-Referent für diesen Bereich zuständig.