
Dorf bangt weiter um beherbergte Flüchtlinge
Das schon wochenlange Tauziehen um das Schicksal jener Flüchtlinge aus Syrien, die seit kurzem im Pfarrzentrum von Alberschwende (Vorarlberg) einquartiert sind, geht weiter: Einer der Männer hat die nötige halbjährige Aufenthaltszeit in Österreich bereits überschritten, um nicht abgeschoben zu werden und stattdessen einen Asylantrag stellen zu können, während für fünf weitere diese Frist noch bis 22. Juni andauert. Das geht aus einem ORF-Beitrag vom Sonntag hervor, in dem das Dorf im Bregenzerwald als ein "Ort des Respekts" porträtiert wurde.
Das von ihm gewährte "Kirchenasyl" begründete Dorfpfarrer Peter Mathei in der ORF-Reihe "Österreich Bild" damit, dass die katholische Kirche "schon immer Asyl war": Achtung und Respekt für diese Weise der Hilfe für Schutzsuchende seien bis heute im Kirchenrecht verankert.
Zahlreiche Alberschwender unter der Leitung von Bürgermeisterin Angelika Schwarzmann hatten sich im Frühjahr dafür entschieden, insgesamt acht Männern aus dem Nahen Osten, denen am 10. März ein Abschiebebescheid in ihr Erstaufnahmeland Ungarn zugestellt worden war, "Gemeindeasyl" zu gewähren. Bewusst werde durch das Befolgen der EU-Grundrechtscharta "ziviler Gehorsam" geübt, wenn staatlich angeordnete und womöglich zu Menschenrechtsverletzungen führende Deportationen verhindert würden, formulierte dies die Ortschefin. Sie und 150 andere Unterzeichner der Gruppe "Wir sind Asyl" hatten in einem Brief öffentlich gegen "Kettenabschiebungen" in den "Dublin-Raum" protestiert.
Hoffnung auf Sicherheit im Pfarrheim
Schlagend geworden war diese Solidaritätsbekundung Mitte Mai, als die Polizei in einem Großeinsatz einen Flüchtling für dessen Abschiebung festnehmen wollte, ihn dabei aber nicht auffand. Pfarrer Mathei stellte - mit Rückendeckung von Diözesanbischof Benno Elbs - das Pfarrheim als neue Unterkunft zur Verfügung, in der Hoffnung, dass sich die Fremdenpolizei hüten werde, ein kirchliches Gebäude zu stürmen. Er habe aus "Gewissensgründen" gehandelt und den Syrern "mehr Geborgenheit" geben wollen, begründete der Priester gegenüber dem ORF die Öffnung des Kirchenquartiers. Der neue Wohnort sei der Polizei vorschriftsmäßig gemeldet worden, und man arbeite weiterhin zusammen. Doch lebten die Asylwerber in großer Angst vor einem weiteren Polizeieinsatz.
Die Furcht war auch am Ostermontag geschürt worden, als Alkoholisierte in das Asylwerberheim eindringen wollten und Plakate mit der Aufschrift "Wir sind Asyl" herunterrissen. Eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft war die Folge. Pfarrer Mathei signalisierte vorsichtiges Verständnis gegenüber den mutmaßlichen Tätern, die sich von der Botschaft des Plakats provoziert gefühlt haben dürften: "Jemand, der dem 'Wir sind Asyl' gegenüber kritisch ist, wird sagen, ich gehöre da nicht dazu."
Man werde sich nicht einschüchtern lassen, betonte Schwarzmann: Der Großteil des Ortes stehe der Aufnahme der Flüchtlinge sehr offen gegenüber. "Wir setzen uns für die Einhaltung der Menschenrechte ein", so die Bürgermeisterin. "Das schaffen wir auch wirklich - und möchten den Beweis antreten, dass man das kann."