Papst ist Vorbild für Umgang mit Menschen
Durch seinen Einsatz für einfache Menschen ist Papst Franziskus ein Vorbild für die ganze Kirche. Das betonte der designierte Militärbischof Werner Freistetter im Gespräch mit "Kathpress" im Blick auf die bevorstehende Bischofsweihe am 11. Juni und seine Prioritäten im neuen Amt. "Für andere da zu sein als Selbstverständnis der Kirche", das habe Franziskus bereits als Priester und Bischof in Argentinien vorexerziert. Schon die Gründonnerstagsfeier des Papstes im Jugendgefängnis statt in der Lateranbasilika am Beginn des Pontifikats habe dies deutlich gemacht. Und mit Blick auf die Familiensynode erhofft sich Freistetter "mögliche Lösungen im kirchlichen Umgang mit Menschen in zerbrochenen Beziehungen", die er mittragen werde.
Als gute Ausgangsbasis für seinen bischöflichen Dienst bewertet Freistetter die Ergebnisse der ersten Synode der Militärdiözese, die im Oktober 2013 stattgefunden hat. Militärseelsorge sei ein Beitrag zur umfassenden Menschenbildung und reiche von der Vermittlung von Umgangsformen bis zur Vertiefung des Glaubenswissens. Die Synode habe für das Miteinander in der Militärdiözese viel gebracht und auch Aufgaben formuliert, die für ihn als Militärbischof wichtig seien, so Freistetter. So sollte die Militärseelsorge gerade im Kontakt mit jungen Menschen neue Wege zum Glauben anbieten und auch spezifischere liturgische Formen entwickeln. Wichtig dabei seien konkrete Erfahrungen wie die Soldatenwallfahrt nach Lourdes, die für die Seelsorge im Bundesheer ein jährlicher Höhepunkt ist.
Bildung heiße im Kontext des Militärs vor allem die Auseinandersetzung mit ethischen Grundfragen des Wehrdienstes, so der promovierte Theologe und Sozialethiker weiter. Es gehe dabei um Gewissensbildung im Blick auf die Menschenwürde. Der Soldat solle solcherart davor bewahrt werden, dass er sich "nicht selbst erniedrigt ins Böse". Ziel jedes militärischen Handels müsse letztlich die Wiederherstellung und Bewahrung von Frieden sein, betont der bisherige Leiter des Instituts für Religion und Frieden.
Flüchtlingsnot braucht großzügige europäische Lösung
Dass das "Militär hilft, wo andere nicht mehr können" zeige sich gegenwärtig beim Flüchtlingsdrama im Mittelmeer. Er blicke "voll Bewunderung auf das, was die italienische Militärmarine Großartiges leistet, um Menschen zu retten". Dafür müsse es mehr europäische Unterstützung geben, fordert Freistetter, der zugleich politische Versäumnisse Österreichs ortet.
Die gegenwärtige Flüchtlingsnot brauche eine großzügige europäische Lösung und mehr Kooperation zwischen den Staaten. "Der Blick auf die Not der Menschen muss im Vordergrund stehen", betont Freistetter, zumal Europa "genug Mittel" habe, um das Problem zu lösen.
Der künftige Militärbischof plädiert dabei für einen außenpolitischen Gesinnungswandel. Trotz der seit 1995 bestehenden EU-Mitgliedschaft agiere Österreich immer noch so, als sei es ein "kleines neutrales Land mitten in Europa". Man müsse politisch das Bewusstsein dafür stärken, dass sich mit der EU-Mitgliedschaft die "Nachbarschaft Österreich bis an die Grenzen Afrikas und Asiens erweitert" habe. Vor diesem Hintergrund fordert Freistetter eine größeren Beitrag Österreichs in der Entwicklungszusammenarbeit, um bei den Ursachen für die Flüchtlingswelle anzusetzen.
Geistlich geprägt von Ignatius von Loyola
Die Studienzeit in Rom und der Kontakt mit Jesuiten haben den designierten Militärbischof, der bislang als Priester der Erzdiözese Wien angehört, nach eigenen Angaben sehr geprägt. Von daher sieht Freistetter im hl. Ignatius von Loyola, dem Gründer des Jesuitenordens, und dessen Motto "omnia ad maiorem dei gloriam" ("alles zur höheren Ehre Gottes") ein geistliches Vorbild und Programm.
Ignatius, der vor seiner Bekehrung Offizier war, habe auch Tugenden vorgelebt, die nicht nur für den "miles christianus" ("christlichen Soldaten") maßgeblich seien. Der Christ von heute brauche "Tapferkeit", die sich im Einsatz für das Gute angesichts der Gefahr zeige, so Freistetter, der selbst aus einer Offiziersfamilie stammt.
Werner Freistetter ist Mitte April von Papst Franziskus zum neuen Militärbischof für Österreich ernannt worden. Seine Bischofsweihe findet am 11. Juni in Wiener Neustadt statt. Der 61-Jährige ist nach Christian Werner und Alfred Kostelecky der dritte Bischof der 1986 errichteten Militärdiözese.