
Seelsorge, Bildung, Berufung
Seelsorge, Bildung, Berufung - diese drei Begriffe stehen stellvertretend für Tätigkeitsfelder, die Wilhelm Krautwaschl, der künftig an der Spitze der Diözese Graz-Seckau stehen wird, in seinem bisherigen priesterlichen Leben ausfüllten. Der bestens in seiner Diözese verankerte 52-jährige Nachfolger von Egon Kapellari wirkte als Kaplan und Pfarrer in der Ost- und Obersteiermark, kehrte als Verantwortlicher des "kleinen Seminars" und späterer Bildungszentrumsleiter 2006 nach Graz zurück und war als Diözesandirektor des Canisiuswerkes seit Jahren wichtige Ansprechperson für jene, die ein geistliches Amt ins Auge fassten oder bereits auf dem Weg dahin sind.
"Mit anderen unterwegs sein - in der Nachfolge Jesu Christi": Das ist der erste, programmatische Satz, den Wilhelm Krautwaschl, der auch auf Facebook und Twitter präsent ist, auf seiner seit längerem bestehenden Website http://krautwaschl.info über sich selbst schreibt. Mit seiner Weihe am 14. Juni komme zu dem "mit euch" stärker das "für euch" - und das sind mehr als 800.000 Katholikinnen und Katholiken in der Steiermark - in den Blick. Dieses Leitmotiv "Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ" stammt vom heiligen Augustinus, dem er sich seit seiner Zeit als Regens im Grazer kirchlichen Bildungszentrum Bildungszentrum "Augustinum" sehr verbunden fühle, wie Krautwaschl schreibt.
Unter jenen Aussprüchen und Sätzen anderer, "die mich berührt haben und daher mir wegweisend geworden sind", nennt Krautwaschl auch Gedanken des 1994 verstorbenen früheren Bischofs von Aachen, Klaus Hemmerle; dieser verknüpfte den überlieferten Glauben mit unmittelbaren Begegnungen mit den Worten: "Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe." Und in einem Vorwort, das Hemmerle, für ein Buch der Gründerin der ökumenischen Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, schrieb, erkennt Krautwaschl den unzerstörbaren Wesenskern christlicher Gemeinschaft: "Umbrüche in der Gesellschaft können die Wirkmöglichkeit der Kirche aufs äußerste gefährden und verkürzen", heißt es dort. "Gemeinschaft aber der zwei oder drei mit dem Herrn in ihrer Mitte bleibt die unzerstörbare, lebendige Zelle von Kirche."
Biografische Eckdaten
Wilhelm Krautwaschl wurde am 5. März 1963 in Gleisdorf/Steiermark geboren. Dort absolvierte er seine gesamte Schullaufbahn und arbeitete als Ministrant, Ministrantengruppenleiter, im Jugendchor usw. bereits früh in der dortigen Pfarre mit. Nach der Matura studierte er ab 1981 Theologie an der Universität Graz. Zeitgleich trat er in das Grazer Priesterseminar ein.
1986 wurde Krautwaschl mit einer Diplomarbeit im Fachbereich Altes Testament über das Buch Josua Magister der Theologie, 1990 folgte das Doktorat nach einer moraltheologischen Dissertation über Asketik in der Zeit der Aufklärung. Während des Studiums engagierte sich Krautwaschl mehrere Jahre hindurch in der steirischen Katholischen Jungschar und war vier Jahre lang Jahre Domzeremoniar. Auch sein Pastoralpraktikum 1989/90 absolvierte er in der Grazer Dompfarre.
Der Weihe zum Diakon am 17. Dezember 1989 folgte ein halbes Jahr später, am 1. Juli 1990 Priesterweihe durch den damaligen Diözesanbischof Johann Weber. Daran anschließend leistete er 16 Jahre Seelsorgearbeit in verschiedenen Regionen der Steiermark: Seine Kaplanszeit verbrachte Krautwaschl in Hartberg, ab 1993 war er im Pfarrverband Knittelfeld tätig, ab 1998 in Bruck/Mur, wo er acht Jahre als Pfarrer wirkte.
Danach ging es zurück nach Graz und zu Arbeitsbereichen mit immer größeren Verantwortungsbereichen. Seit September 2006 leitete Krautwaschl als Regens das Bischöfliche Seminar in Graz und das "Augustinum", das 2009 von Bischof Egon Kapellari als diözesanes Zentrum für Bildung und Berufung eingerichtet wurde. Krautwaschl fungierte als Richter am Grazer Diözesangericht sowie als Diözesandirektor des Canisiuswerkes, wo er für Berufungspastoral zuständig war.
Weiters war Krautwaschl zuletzt Mitglied der Liturgiekommission und leitete die Sektion Liturgiepastoral. Durch diese Tätigkeiten kennt er den steirischen Klerus bestens, er ist seit Jahren Ansprechpartner für junge Priester und Mitarbeiter in der Berufsbegleitung in den ersten fünf Dienstjahren. Auch für für Priester aus anderen Diözesen fungiert Krautwaschl als Ansprechpartner. In den vergangenen Jahren wurde er im Auftrag des Bischofs als Firmspender eingesetzt. Geistlich beheimatet ist Krautwaschl in der von Chiara Lubich gegründeten weltweiten Fokolare-Bewegung.
Krautwaschls offizielle Ernennung als Grazer Diözesanbischof durch den Vatikan erfolgte am 16. April diesen Jahres. Vier Monate zuvor hatte der von 2001 bis 2015 amtierende und nunmehr emeritierte Diözesanbischof Egon Kapellari seinen altersbedingten Rückzug bekannt gegeben und damit eine Phase der Sedisvakanz eingeleitet.