
Militärinterventionen können legitim sein
Militäraktionen können unter bestimmten Voraussetzungen nicht nur legitim, sondern sogar geboten sein. Das betonte der neue Militärbischof Werner Freistetter im Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" (Freitag-Ausgabe). Selbstverständlich sei der Friedensauftrag und der Auftrag für eine gewaltfreie Form der Konfliktaustragung ein Auftrag, der aus der Gesamtbotschaft Jesu hervorgeht, erläutert der Bischof. Eine andere Frage sei aber: "Wie gehe ich damit um, wenn Menschen bedroht sind? Wie schütze ich sie vor ungerechter Gewalt?"
Diese Frage sei beispielsweise im Zusammenhang mit dem Jugoslawien-Krieg diskutiert worden, erinnert Freistetter. Johannes Paul II. habe damals betont, dass es legitim sei, den Aggressor zu entwaffnen, so Freistetter: "Das muss an strenge Kriterien gebunden sein. Aber als äußerstes Mittel halte ich es für legitim, weil es um den Schutz von Menschen geht." Er kenne "alle Probleme, die es bei humanitären Einsätzen gibt, den Missbrauch, die vorgeschobenen Gründe". Er müsse aber anerkennen, "dass es Situationen geben kann, in denen ein Eingreifen moralisch und auch völkerrechtlich legitim, vielleicht sogar geboten sein kann".
Die ÖVP spricht sich im neuen Programm für eine Europa-Armee aus. Zur Frage, ob er diesem Gedanken etwas abgewinnen könne, zeigte sich der neue Militärbischof skeptisch: "Die Frage hängt mit einer weiteren politischen Integration zusammen. Ich kann es mir in der gegenwärtigen Situation nicht vorstellen."
Flüchtlinge in Kasernen (und Zelten) unterzubringen, halte er nur für einen Notbehelf und keine dauerhafte Lösung, so Freistetter weiter. Die Kirche habe beim Asylthema das Problem, dass sich einerseits viele eine Stellungnahme zur Abwehr von Ausländern und Flüchtlingen erwarten, andererseits aber einen Beitrag bei der Hilfe zu leisten und zugleich "in einer Weise zu sprechen, die nicht über Sorgen und Ängste von Menschen hinwegfährt". Das Thema sei "emotional sehr aufgeladen".
Zur Frage des Umgangs der katholischen Kirche mit Geschiedenen, die zivilrechtlich noch einmal geheiratet haben, meinte Freistetter wörtlich: "Ich hoffe sehr, dass wir bei der Bischofssynode im Herbst eine gesamtkirchliche Lösung finden, die unabhängig ist von einem nur subjektiven Gerechtigkeitsempfinden."