Lager Traiskirchen "Ort der Schande für Österreich"
Von dramatischen Zuständen im Flüchtlingslager Traiskirchen berichtet der Wiener Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner nach einem Besuch in der "Erstaufnahmestelle Ost". Von den derzeit dort untergebrachten 3.000 Menschen hätten aktuell rund 700 keinen festen Schlafplatz, berichtete Schwertner am Mittwochabend in einem Eintrag auf seinem Facebook-Profil. "Sie haben kein Bett zum Schlafen, eigentlich sind sie quasi obdachlos. Sie schlafen in Wartesälen, in Garagen, im Freien unter Bäumen." Das wegen der Probleme bei der Flüchtlingsunterbringung überbelegte Lager sei derzeit "ein Ort der Schande für Österreich", schrieb Schwertner und übte Kritik an jenen Gemeinden, die Verantwortung zur Flüchtlingsunterbringung "nach dem Florianiprinzip abschieben und nichts tun".
Schwertner hatte nach eigenen Angaben am Mittwoch "aufgrund eines Einzelfalls" für rund zwei Stunden Zugang zu Teilen des Lagers. "Die Lage ist angespannt, obwohl vor Ort so gut wie möglich versucht wird, eine menschenwürdige Unterkunft zu ermöglichen", betonte der Caritas-Generalsekretär. Täglich kämen derzeit 250 bis 300 Menschen neu an, vorwiegend aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. Besonders dramatisch sei die Situation für die mehr als 1.200 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in dem Großlager.
"Das was ich im Lager gesehen habe, stimmt mich sehr nachdenklich", so Schwertner. Es gebe "akuten Handlungsbedarf". Österreich brauche dringend einen nationalen Aktionsplan Asyl und die gemeinsame Kraftanstrengung von Bund, Ländern und Gemeinden. Mit Blick darauf, dass drei Viertel der Gemeinden derzeit keinen einzigen Flüchtling unterbringen, könne "niemand behaupten das Boot ist voll", so der Caritas-Generalsekretär.
Schwertner verwies dazu auf die positiven Beispiele in der Flüchtlingsunterbringung etwa in Horn, Klosterneuburg, Alberschwende, Neudörfl und Maria Enzersdorf, wo die Bevölkerung anpacke und Mitmenschlichkeit lebe. "Jede Hilfe zählt und macht einen konkreten Unterschied." Die vielen Gespräche mit Flüchtlingen hätte ihm klar gemacht, dass man den Menschen die Hand reichen und sie willkommen heißen müsse, denn: "Das was diese Frauen, Männer und Kinder erlebt haben, Krieg, Terror, Verfolgung, Gewalt, das wollen wir uns in unseren schlimmsten Albträumen nicht vorstellen."