
Amokfahrt: Gedenken in Graz
Eine tragische Prägung hat das Jubiläum zum 400. Gründungstag des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Graz erfahren: Mitten im um 12 Uhr gestarteten Festgottesdienst mit Nuntius Peter Stephan Zurbriggen, zu dem rund 700 Ehrengäste und Mitarbeiter in die randvolle Barmherzigenkirche gekommen waren, fand die Amokfahrt eines 26-Jährigen in der Grazer Fußgängerzone statt, die drei Menschen - darunter einem Kind - das Leben kostete.
Zahlreiche medizinischen und pflegerischen Mitarbeiter der Notfallteams verließen die Kirche und sorgten sich um die vielen Verletzten an den nur wenige hundert Meter entfernten Unfallstellen und in den beiden Spitälern des Ordens, während der weitere Verlauf der Feier am Samstagabend - nunmehr in der Aula der Alten Universität - zu einer Gedenkfeier umorganisiert wurde. Nach der Amokfahrt war "alles anders", teilte die Pressebeauftragte des Ordens, Jutta Heger, mit. "Nicht nur unsere Seelen, sondern die Seele unserer Stadt wurde in der Tiefe erschüttert."
Der Einsatz von Notfallmedizinern im Ernstfall war tags zuvor noch Thema beim "Tag der Offenen Tür" im Standort Marschallgasse gewesen, mit dem das Fest am Freitag gestartet war. Über 2.000 Besucher waren zum Programm u.a. Reanimations-Simulationen, Erste-Hilfe-Kursen und Schau-Operationen der Chirurgie- und Anästhesie-Teams gekommen, zudem war eine Sonderbriefmarke präsentiert worden.
Beim Festgottesdienst hatte Nuntius Zurbriggen dem Grazer Prior des Ordens, Paulus Kohler, noch ein Dankschreiben von Papst Franziskus überreicht. Zu einer geplanten Würdigung des jahrhundertelangen Wirkens der Barmherzigen Brüder durch Bischof Wilhelm Krautwaschl kam es dann nicht mehr: Alle Programmpunkte der geplanten anschließenden Feier in der Aula der Alten Universität wurden zugunsten einer von dem erst vor einer Woche geweihten Grazer Bischof geleiteten Gedenkminute für die Opfer gestrichen, zudem verschob sich der Beginn aufgrund der vorherigen Gedenkfeiern in der Stadtpfarrkirche und im Dom erheblich.
"Viele der Mitarbeiter und ärztlichen Führungskräfte, die am Nachmittag die Opfer und deren Familien betreut hatten, waren froh über dieses Zusammensein", berichtete Heger. Anwesend waren bei der abendlichen Feier u.a. auch der Generalobere des Ordens, Jesus Etayo, und Nuntius Zurbriggen.
Das Ordensspital der Barmherzigen Brüder in Graz ist seit 1615 Jahren fester Bestandteil der Gesundheitsversorgung in der Steiermark. Begonnen hat alles in einem "Stadl" mit 12 Betten in der Murvorstadt. Das Krankenhaus mit derzeit noch zwei Standorten (Marschallgasse und Eggenberg) und 487 Betten in acht Fachabteilungen wird in den kommenden Jahren auf einen Standort in der Marschallgasse zusammengeführt. Dieser Standort wird ausgebaut. Die Gesamtfertigstellung ist für 2021 vorgesehen.