
Liebe und Verantwortung bleiben zentrale Werte
Liebe und Verantwortung kommen als "zentrale Werte" beim Thema Sexualität im neuen Sexualpädagogikerlass des Bildungsministeriums zu kurz: An dieser schon während der Begutachtung geäußerten Kritik hält der Katholische Familienverband auch nach der Verabschiedung des Textes fest. Lob gab es dagegen für die Berücksichtigung eines weiteren Kritikpunktes am Entwurf: Die darin noch fehlende Einbindung der Eltern als Hauptverantwortliche in einem "hochsensiblen Bereich" der Erziehung sei nunmehr berücksichtigt, erklärte Familienverbandspräsident Alfred Trendl am Dienstag. Der nun vorliegende Erlass "nimmt mehr Rücksicht" auf die Tatsache, dass Eltern ihre Kinder am besten kennen "und wissen, wie sie dieses sensible Thema einfühlsam und ohne zu überfordern vermitteln können".
Trendl warnte vor einer "übertriebenen Emotionalisierung" des Themas: "Es geht hier nicht um ideologische Grabenkämpfe, sondern darum, das Wohl und die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen im Auge zu behalten!" Auch der Familienverband befürworte grundsätzlich die Überarbeitung des über 20 Jahre alten Sexualpädagogikerlasses, denn "wir wollen aufgeklärte und starke Kinder und Jugendliche".
"Verantwortlichkeit verkommt zur Beliebigkeit"
Bedenklich bleibe für den Familienverband jedoch die "fehlende Wertorientierung": "Liebe, Verantwortung und Familie sind - wenn es um Sexualpädagogik geht - nicht die einzigen, aber doch zentrale Werte. Verantwortlichkeit verkommt in dem Erlass zur Beliebigkeit", hieß es in der Stellungnahme Trendls. Die Begriffe "Liebe" und "Familie" kämen gar nicht vor - "das ist falsch". Der Gesetzgeber sehe im Schulorganisationsgesetz ausdrücklich die Vermittlung von Werten vor, daran müsse sich auch das Bildungsministerium halten, betonte der Familienverbandspräsident.
Liebe, Verantwortung und Familie hätten auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Bedeutung verloren. "An diesen Werten halten wir fest." Trendl appellierte, auch kulturelle Unterschiede im Sexualkundeunterricht zu respektieren. Schon in der Stellungnahme des Familienverbands zum Entwurf "forderten wir klar die Umsetzung nach Grundsätzen der Geschlechtersensibilität, der Alterssensibilität und der Kultursensibilität". Unterschiedliche Kulturen und Religionen hätten verschiedene Zugänge zur Sexualität, "darauf muss Rücksicht genommen werden", forderte Trendl.