
Katholische Aktion kritisiert Landeshauptleute
Mit scharfer Kritik am Krisenmanagement der österreichischen Politik hat sich die Katholische Aktion Österreich (KAÖ) zur laufenden Asyldebatte geäußert. Präsidentin Gerda Schaffelhofer nahm in ihrer Aussendung am Freitag angesichts der Tatsache, "dass in zwei Drittel der Gemeinden bisher kein einziger Flüchtling beherbergt wird", vor allem die Landeshauptleute in die Pflicht. Sie warte "gespannt darauf, was die Landeshauptleute, die eine Quotenregelung für Bezirke aus welchen Gründen auch immer für nicht sinnvoll halten, nun für alternative Vorschläge anbieten", so Schaffelhofer. "Nur nein zu sagen wird ja wohl nicht alles sein, was man von einem Politiker in diesem Verantwortungsrang erwarten darf."
Es müsse endlich zu einer menschenwürdigen Unterbringung und Versorgung aller Asylwerber und Flüchtlinge in Österreich kommen, "parteipolitische Schachzüge, Blockademanöver und Schuldzuweisungen" seien verzichtbar. Statt immer nur hören zu müssen, was nicht geht, erwarte sie von politischen Verantwortungsträgern aller Ebenen endlich konstruktive Vorschläge, "wie jenen zu uns geflüchteten Menschen, die Hilfe und Schutz brauchen, so geholfen wird, wie es der humanitären und christlichen Tradition unseres Landes entspricht", betonte die KAÖ-Präsidentin.
Weiteres Zuwarten ist "menschenverachtend"
Die derzeitigen Flüchtlingsströme würden nicht so schnell abreißen, eine solidarische Aufteilung auf europäischer Ebene sei derzeit nicht ihn Sicht - das Problem werde sich somit nicht von selbst erledigen. Schaffelhofer wörtlich: "Ich finde es einfach nur zynisch und menschenverachtend, aus politischem Kalkül zuzuwarten" und "achselzuckend hinzunehmen", dass von den momentan 2.800 Flüchtlingen in Traiskirchen 500 in Zelten untergebracht sind und weitere 500 nicht einmal ein eigenes Bett haben und in Gängen und im Freien übernachten müssen.
"Besonders empörend" nannte Schaffelhofer, dass in Traiskirchen 1.200 unbegleitete Minderjährige zwischen 14 und 18 Jahren "zusammengepfercht" seien. Sie erneuerte ihren schon einmal gemachten Vorschlag, dass junge Flüchtlinge in Familien untergebracht, betreut und als Pflegekinder aufgenommen werden können. Erforderlich sei dafür freilich Personal, das aufnahmewillige Familien vorbereitet und begleitet und zu den Flüchtlingen Kontakt hält. "Wieso soll sich das mit gutem Willen nicht machen lassen?", so Schaffelhofer.
In Österreich gebe es viele engagierte Privatpersonen, kirchliche Einrichtungen, zivile Initiativen und auch Bürgermeister, die bereit seien, Flüchtlinge aufzunehmen und zu versorgen, wies die KAÖ-Präsidentin hin. Statt diese Bereitschaft aufzugreifen und zu unterstützen, "werden Hilfswilligen nicht selten möglichst viele Hürden in den Weg gelegt". Schaffelhofer forderte, "auf die Helfer statt auf die Hetzer zu schauen", deren Engagement von Spenden bis hin zu täglicher persönlicher Unterstützung im Alltag reiche. "Anders als die Maulhelden der Fremdenhetze machen diese Menschen meist wenig Aufsehen um ihren Einsatz für andere und für ein gedeihliches Miteinander."