
Bei Messe vielsagende Worte zur Synode
Die Ordentliche Bischofssynode über Ehe und Familie im Oktober rückt näher. Immer aufmerksamer werden daher die Äußerungen des Papstes zu der Bischofsversammlung registriert. Seine jüngsten Aussage dazu während seiner Südamerika-Reise löste unter Beobachtern einige Spekulationen aus. In Ecuador rief er die Gläubigen bei einer Messe auf, vor der Synode dafür zu beten, dass "alles was uns unrein erscheint, Skandal verursacht oder uns Angst macht" von Gott in ein Wunder verwandelt werde - so wie das Wasser in der biblischen Erzählung von der Hochzeit in Kanaan zu Wein wurde. "Die Familie heute braucht solche Wunder", fügt er hinzu.
Was wollte der Papst damit sagen? Meinte er, dass wiederverheiratete Geschiedene wieder die Kommunion empfangen dürfen oder wollte er nur allgemein zum Ausdruck bringen, dass alle, die nicht gemäß der kirchlichen Familienmoral leben, immer auf Gott hoffen dürfen. Der Leiter des Presseamtes, Pater Federico Lombardi, teilte mit, der Papst habe keine konkreten Situationen im Sinn gehabt. Fest steht jedenfalls, Franziskus will, dass sich etwas verändert. Mit dieser offenbar bewussten Unschärfe bewegt er sich auf der Linie seiner früheren Äußerungen, die sich allesamt einer Konkretisierung entziehen.
Kurz vor der Südamerika-Reise waren zudem die deutsche und mehrere weitere offizielle Übersetzungen des Arbeitspapiers für die Bischofssynode erschienen. Damit ist die Gesprächsgrundlage für die weitere Debatte auch im deutschsprachigen Raum vorhanden. Das Papier setzt sich aus dem Abschlussdokument der vorigen Synode sowie Ergänzungen zusammen, die auf der Grundlage der Rückmeldungen der Bischofskonferenzen zum zweiten Fragenkatalog erstellt wurden.
Auch die drei Abschnitte über wiederverheiratete Geschiedene und Homosexuelle, die im Herbst nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit fanden, sind in das Arbeitspapier aufgenommen. Eine Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen steht also weiterhin zur Diskussion. Sie dürfte diesmal konkreter werden. Das Papier enthält als Vorschlag unter anderem einen Weg der Buße - mit dem wenn auch nicht ausdrücklich genannten Ziel einer Zulassung.
Woher dieser Vorschlag stammt, zeigte sich einige Tage später, als ein neuer Aufsatz von Kardinal Walter Kasper zum kirchlichen Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen in der Zeitschrift "Stimmen der Zeit" erschien. In dem Text, in dem Kasper seine Argumentation vom Februar 2014 vertieft, findet sich die betreffende Passage des Arbeitspapiers nahezu im Wortlaut wieder. Offenbar lag er den Autoren des Arbeitspapiers vor.
Kasper argumentiert in seinem Aufsatz mit dem Prinzip der Billigkeit, der sogenannten Epikie, wie es Thomas von Aquin vertreten hatte. Es gehe hierbei nicht um Ausnahmen vom Recht, so Kasper, sondern um eine angemessene und barmherzige Anwendung des Rechts". Jede einzelne Situation müsse "verständnisvoll, diskret und taktvoll" geprüft werden.
Eine "recht verstandene" Hermeneutik der Kontinuität schließe "praktische Reformen und damit ein Moment der Diskontinuität nicht aus, sondern ein". Der frühere Präsident des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen beruft sich hierbei ausdrücklich auf Benedikt XVI.