
Wohnungssuche für Flüchtlinge geht voran
Über ein zügiges Vorankommen bei der Suche nach Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge freut sich die kürzlich in der Diözese St. Pölten gegründete pfarrliche Hilfs-Aktion "Willkommen Mensch". In neun niederösterreichischen Pfarrgemeinden konnte die Initiative bisher Flüchtlingsfamilien in Privatwohnungen unterbringen. "Wir sind aber auf der Suche nach weiteren Wohnungen", so Initiator Christian Köstler gegenüber "Kathpress" am Mittwoch, denn die Nachfrage reiße nicht ab. Die Aktion will vor allem Flüchtlingen mit positivem Bescheid unter die Arme greifen, denn, "sobald der Asylantrag positiv ist, fallen die Menschen aus allen Betreuungsangeboten."
Köstler kennt die Schwierigkeiten, die auf Flüchtlinge warten, ist ihr Antrag erst einmal positiv beschieden. "Dann fällt die Unsicherheit, ob eine Zukunft in Österreich möglich ist, zwar weg, dafür kommen neue Probleme hinzu", so der Projekt-Initiator. Mangelnde Deutsch-Kenntnisse, geringe finanzielle Mittel und Vorurteile in der Gesellschaft machten die Integration der Menschen aber auch die Wohnungssuche oder Behördengänge schwer. Genau hier setzt das Projekt "Willkommen Mensch" an. Wir wollen "schnelle und unbürokratische" Hilfe leisten.
Den Vorbehalten vieler Vermieter begegnet die Aktion mit direktem Kontakt und Information. "Bei der momentanen Stimmung in der Gesellschaft ist es verständlich, dass manche Vermieter verunsichert sind und sich überfordert fühlen", räumte Köstler ein. Die Zusage, auch nach Unterzeichnung des Mietvertrags, weiterhin unterstützend für Vermieter und Mieter da zu sein, nehmen aber vielfach die Angst. Schließlich ginge es nicht nur um die Unterbringung sondern auch um eine gelungene Integration der Menschen in die jeweilige Gemeinde.
"Außerdem ist hier nicht viel Geld zu machen." Gesucht werden Wohnungen, deren Miete inklusive der Betriebskosten einen monatlichen Betrag von 300 bis 400 Euro nicht übersteigen. "Damit es auch leistbar für die Menschen bleibt".
Neben der Wohnungssuche unterstützt "Willkommen Mensch" auch mit Sachspenden oder persönlicher Betreuung. In den Gemeinden Amstetten, Ardagger, Euratsfeld, Horn, Lunz, Radegg, Seitenstetten, Steinakirchen und Zwettl haben sich bereits aktive Gruppen gefunden, die Flüchtlingsfamilien individuell betreuen, Sprachkurse anbieten und einiges mehr. Außerdem wollen die Freiwilligen das Bewusstsein für die Probleme der Flüchtlinge - vor und nach dem Asylbescheid - schaffen.
Toni Faber unterstützt "www.wirsinddabei.at"
Weniger auf materielle Hilfe mit Sachspenden, Wohnungsvermittlung oder Hilfe bei der Jobsuche, zielt www.wirsinddabei.at ab. Unterstützt wird die Aktion von Wiens Dompfarrer Toni Faber. Die kürzlich gegründete Plattform des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) konzentriert sich auf integrationsfördernde Maßnahmen. Flüchtlingen und Zuwanderern ist es möglich, über das Netzwerk passende Initiativen in ihrer Nähe zu finden und sich gleich online dafür anzumelden. Privatpersonen, Vereinen, Gemeinden und Unternehmen können ihre Angebote auf der Plattform veröffentlichen. Die Angebotspalette umfasst Deutschkurse, Sportveranstaltungen, Tanz, Mitarbeit bei Vereinen wie den Feuerwehren oder Freizeitangebote.
Dompfarrer Faber lädt am 30. September zur persönlichen Führung durch und auf den Stephansdom ein. "Ich möchte mit meinem Angebot ein öffentliches Zeichen setzen, dass es mir wichtig ist, dass Asylwerber hier auch ein Willkommen erfahren. Mit der Führung durch die Hauptkirche Österreichs soll etwas von den Schönheiten und der Kultur dieses Landes gezeigt werden - auch, damit sie die Kultur und Religion hier in Österreich besser verstehen", sagte Faber im "Kathpress"-Gespräch. "Es ist mir ein Anliegen, die Flüchtlinge so auf Augenhöhe in Österreich Willkommen zu heißen und zu zeigen, dass jeder, der Asyl sucht, hier herzlich willkommen ist, auch wenn jeder Fall natürlich einzeln geprüft werden muss."
Die Pfarre Pfarrwerfen in Salzburg etwa lädt jeden Freitag in den Pfarrhof zum "Freitagscafé", wo Österreicher und Flüchtlinge sich in gemütlicher Runde kennen lernen und auch Deutschkenntnisse geübt werden können.
Quelle: kathpress