
Bischöfe rufen zur atomaren Abrüstung auf
Zur Vernichtung aller Atomwaffen und zum völligen Ausstieg aus der Atomenergie haben Österreichs Bischöfe anlässlich des traditionellen Hiroshima-Gedenkens in Wien aufgerufen. Immer noch stützten Großmächte ihre Landesverteidigung auf Atombomben und Staaten ihre Energieversorgung auf den Ausbau der Atomkraft, kritisierte Kardinal Christoph Schönborn. "Wann wird die Menschheit endlich zur Vernunft kommen", fragte der Wiener Erzbischof in einem Grußwort an die Teilnehmer der für Donnerstagabend in Wien angesetzten Gedenkveranstaltung der "Wiener Friedensbewegung" und der "Hiroshima-Gruppe Wien".
Heuer jähren sich die Abwürfe der Atombomben auf die beiden japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, bei denen am 6. und 9. August 1945 rund 300.000 Menschen starben, zum 70. Mal. Beim Gedenken am Donnerstag ab 18 Uhr werden zunächst am Wiener Stephansplatz die Grußbotschaften verlesen, gefolgt von einem Laternenmarsch, der um 20.30 Uhr beim Teich vor der Karlskirche enden soll. (Infos: www.hiroshima.at)
Schönborn weist in seinem Grußwort auf die nuklearen Katastrophen von Tschernobyl 1986 und Fukushima 2011 hin. Diese hätten gezeigt, "dass auch die friedliche Nutzung der Kernenergie letztlich nicht beherrschbar ist". Die Nutzung im militärischen Bereich habe seit 1945 zu einem "Gleichgewicht des Schreckens" geführt. "Müssen wir künftig immer mit der Angst vor der atomaren Apokalypse leben?", fragt der Kardinal.
In gleicher Weise äußert sich der Linzer Bischof Ludwig Schwarz: Jene Bilder, die nach der Katastrophe vor 70 Jahren um die Welt gingen, seien auch heute noch präsent, heißt es in seinem Grußwort. Trotzdem diene Atomenergie weiterhin der Aufrüstung und Abschreckung, die Gefahr einer Eskalation lauere beständig. Sich aufgrund von Atomabkommen - wie jüngst mit dem Iran - einer "Illusion hinzugeben", bezeichnete der Linzer Bischof als "naiv".
Der emeritierte Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari wendet sich in seinem Grußwort mit der Bitte an die Teilnehmer, "sich unvermindert gegen die Gefahr neuerlicher atomarer Katastrophen einzusetzen und unverdrossen alle möglichen Schritte für den Frieden zu tun, der heute in vielen Ländern der Erde bedroht oder schon zerstört ist".
Auf das Handeln jedes Einzelnen setzt auch der Wiener Dompfarrer Toni Faber: Das Prinzip "Aug um Aug, Zahn um Zahn" lasse "die Welt erblinden", warnt er. Die Menschheit brauche "Frieden, Vergebung und das Zugehen aufeinander", so Faber mit einem Aufruf zu Nächstenliebe, gegenseitiger Achtung und Wertschätzung für das Leben.
"Atomwaffen sind mit den Werten der christlichen, jüdischen, muslimischen und buddhistischen Glaubenstradition nicht vereinbar", betont Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B., in seiner Grußbotschaft. Er verweist auf den für Anfang August geplanten Pilgerweg von Vertretern acht verschiedener Kirchen nach Japan. Nichts rechtfertige, dass es weiterhin Atomwaffen gebe, zitiert Bünker aus einer gemeinsamen Resolution, die bereits im Mai an die UNO übergeben worden war.