
Don Bosco zeigt Weg zu "jugendgerechter" Kirche
Eine "jugendgerechte" Kirche hat der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl eingefordert. Der Jugend nahe kommen könne aber nur, "wer sie verstehen lernt - ihre Sprache, auch ihre Kritik, was ihnen im Leben wichtig ist", so Krätzl am Sonntag bei einem Gottesdienst anlässlich des 200. Geburtstags des "Jugend-Apostels" Don Giovanni Bosco in der Salesianerpfarre in Wien 23 (Inzersdorf-Neustift).
Aktueller denn je sei vor diesem Hintergrund die Idee der Jugendseelsorge Don Boscos. Die "bedingungslose Wertschätzung", mit der dieser den Jugendlichen begegnet war, könne auch heute neue Spuren zur Kirche legen. Denn, "für das Gros der Jugend ist die Kirche als Institution wenig anziehend. Sie scheint an ihrem Lebensgefühl vorbeizugehen, in der Vergangenheit stecken geblieben zu sein".
Bedingungslose Wertschätzung meine aber "keinenfalls billige Anpassung", so Krätzl weiter. Jugendliche müssten dennoch spüren, "dass wir ihren Eigenstand, ihre Persönlichkeit vorurteilslos schätzen". Don Bosco sei mit einem Hirten zu vergleichen, "der mitten unter den Schafen war". Er habe gelehrt, Jugendlichen Mut zu machen, "denn oft kommt manche für uns unverständliche Haltung der Jugend aus einer inneren Unsicherheit". Und wieder bemühte der Weihbischof das Bild des Hirten, "der verlorene Schafe sucht, vertriebene - oft ausgegrenzte - zurückbringt, verletzte verbindet".
Die Idee des Jugendheiligen und seiner Seelsorge lebe heute in dem von ihm gegründeten Salesianerorden, den vielen Laien, die zur salesianischen Bewegung gehörten, weiter, aber vor allem durch die Jugend, "die im Geist Don Boscos lebt und Zeugnis ablegt".
Von 10. bis 16. August hatten mehrere Tausend Jugendliche ihren Apostel beim Internationalen Jugendtreffen der Salesianer in Turin und Morialdo-Castelnuovo gewürdigt. Am Fuß des dortigen Hügels befindet sich das Geburtshaus des Heiligen, auf dem Gipfel die imposante, 1961 bis 1966 errichtete Don-Bosco-Basilika. Die Jubiläumsmesse am Sonntag auf dem Berg wurde von Salesianer-Generaloberem Don Angel Fernandez Artime SDB geleitet. Auch mehr als 60 Österreicher nahmen teil.
Papst Franziskus hatte vor kurzem an die Teilnehmer des am Sonntagnachmittag zu Ende gegangenen internationalen Jugendtreffens der Salesianer in Turin und Morialdo-Castelnuovo ein Schreiben gerichtet und Ordensgründer Don Bosco (1815-1888) gewürdigt. In seiner Botschaft an die Jugendlichen und an die Salesianer betonte der Papst, dass er selbst in Buenos Aires eine Volksschule der Salesianer besucht hatte.
Franziskus würdigte die spirituelle und pastorale Bedeutung Don Boscos, insbesondere für die Jugendarbeit. Der Papst war aus Anlass des Jubiläumsjahres vor sieben Wochen nach Turin gereist. Er hatte dort u.a. am Grab Don Boscos in der Basilika Maria Ausiliatrice gebetet.
Jugendapostel, Pädagoge, Zauberkünstler
Don Giovanni Bosco (1815-1888) war Jugendapostel, Pädagoge, Zauberkünstler, Schriftsteller, Sozialarbeiter, begeisterter Priester und Ordensgründer. In der Industriemetropole Turin begegnete er arbeitslosen und sozial entwurzelten Jugendlichen, holte sie von der Straße und nahm sie in einem offenen Jugendzentrum, dem "Oratorium", auf. Seine Erziehungsprinzipien Geborgenheit, Freizeit, Bildung und Glaube waren für seine Zeit revolutionär und werden vom Salesianerorden in aktualisierter Form bis heute verfolgt. Der 1934 heiliggesprochene Priester wird weltweit als Schutzpatron der Jugend verehrt.
Die von Don Bosco gegründete katholische Männerorden der "Salesianer" ist heute der zweitgrößte weltweit, mit 15.300 Mitgliedern in 132 Ländern. Die gemeinsam von Don Bosco und Maria Dominica Mazzarello (1837-1881) gegründete Schwesterngemeinschaft (ihr Name lautet heute "Don Bosco Schwestern") gehört mit derzeit rund 13.000 Mitgliedern zu den größten Frauenorden. 35.000 Frauen und Männer im "normalen" Leben gehören zudem der Vereinigung der "Salesianischen Mitarbeiter" an, die vor allem als Lehrer, Ausbildner und Erzieher in dem Jugendwerk tätig sind.