Ohne Unterscheidung keine gerechte Gesellschaft
Mit einem Festgottesdienst und einem Festakt ist am Sonntag das "Europäische Forum Alpbach" feierlich eröffnet worden. Dem Gottesdienst in der Pfarrkirche Alpbach stand Kardinal Christoph Schönborn vor. Das "Forum Alpbach" steht diesmal bis 4. September unter dem Generalthema "UnGleichheit". Gleichheit und Gerechtigkeit seien dringliche Themen der gegenwärtigen Zeit, betonte Kardinal Schönborn in seiner Predigt. Unter Bezug auf die liturgischen Texte des Sonntags unterstrich der Kardinal die gleiche Würde von Mann und Frau. Dabei gelte es aber zugleich, die Frage nach der Ungleichheit bei gleichzeitiger gleicher Würde zu stellen, so der Kardinal. Ohne Unterscheidung könne es keine gerechte Gesellschaft geben. Schönborn: "Unterscheidung bedeutet nicht Diskriminierung."
Das "Forum Alpbach" begeht huer sein 70-jähriges Bestehen. "Alpbach hat begonnen mit dem Zeugnis über die wiedererlangte Freiheit nach den schrecklichen Jahren der Diktatur und des Krieges", so Schönborn wörtlich in seiner Predigt. Dieses "Gespür für die Freiheit" gelte es auch in die Zukunft weiter zu tragen und zu leben.
Im Anschluss an den Festgottesdienst erfolgte der Eröffnungsfestakt mit Forumspräsident Franz Fischler und den Landeshauptleuten von Tirol, Südtirol und dem Trentino, Günther Platter, Arno Kompatscher und Ugo Rossi.
Unter den prominenten Teilnehmern beim Forum sind heuer etwa die EU-Kommissarinnen Kristalina Georgiewa und Corina Cretu, Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem oder der US-Ökonom Jeffrey Sachs. Ihr Kommen zugesagt haben ebenso Bundespräsident Heinz Fischer und zahlreiche österreichische Regierungsmitglieder.
Auch das aktuelle Thema "Flüchtlinge" wird in Alpbach eine wichtige Rolle spielen. Im Rahmen der "Politischen Gespräche" ist für 30. August etwa eine Diskussion mit dem Wiener Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner, dem früheren deutschen SPD-Politiker Thilo Sarrazin, dem Bürgermeister der irakischen Stadt Erbil, Nihad Qoja und der Film-Regisseurin Nina Kusturica unter dem Titel "Sackgasse Europa? Asyl- und Flüchtlingspolitik auf dem Prüfstand" geplant.
Auch heuer wird das Tagungsprogramm wieder von Gottesdiensten und "interreligiösen Meditationen" gerahmt. Neben der Messe mit Kardinal Schönborn feiern etwa der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz und der lutherische Bischof Michael Bünker in der Pfarrkirche von Alpbach am letzten August-Sonntag einen ökumenischen Gottesdienst.
Von der Pfarre Alpbach organisierte 20-minütige "interreligiöse Meditationen" eröffnen jeweils das tägliche Vortrags- und Seminarprogramm. Die Meditationen werden u.a. vom Salzburger Erzbischof Franz Lackner (31. August und 1. September), dem Tiroler Bischof Manfred Scheuer (28./29. August) und Elisabeth Rathgeb, der Seelsorgeamtsleiterin der Diözese Innsbruck (21. August) gehalten. An weiteren Tagen leiten Vertreter von Judentum, Islam, Buddhismus und evangelischer Kirche das interreligiöse Angebot, Beginn ist jeweils um 8.30 Uhr.
Asyl: Europäische Solidarität gefordert
Die Eröffnungsfeier des "Europäischen Forums Alpbach" stand am Sonntag ganz im Zeichen der aktuellen Integrationsdebatte. "Wir sehen die Aufgabe des Europäischen Forums Alpbach nicht nur darin, die derzeitige Asylquartier-Diskussion aufzunehmen, sondern den Stein ins Rollen zu bringen", sagte Franz Fischler, Präsident des Europäischen Forums Alpbach. Tirols Landeshauptmann Günther Platter appellierte an die europäische Solidarität und forderte von der Bundesregierung eine Aufstockung der Entwicklungshilfe. Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher betonte die Rolle der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino als Brücke zu Welt, deren Auftrag es sei, offen auf andere zuzugehen.
30 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft hatten bereits im Vorfeld erfolgversprechende Maßnahmen für gelingende Integration erarbeitet, um sie am Sonntag als Thesenpapier vorzustellen. Als wesentliche Maßnahme rieten die Forscher dringend, den Zugang zum Arbeitsmarkt für Migranten zu verbessern. Auch Gründerwerkstätten und Unterstützung von Migranten auf dem Weg zur Selbstständigkeit würden wichtige Schritte in Richtung Integration bilden. Gesellschaftlich stehe die Förderung von Mehrsprachigkeit im Vordergrund, so die jungen Wissenschaftler.