
Auch in Österreich frieren Menschen
Auf einen "steigenden Druck an den Rändern" macht die Caritas aufmerksam: Immer mehr Österreicher könnten sich keine warme Wohnung leisten. "In Österreich erfrieren vielleicht Menschen nicht, wenn sie von Armut betroffen sind - aber gefroren wird auch bei uns", betonte Caritas-Präsident Michael Landau am Mittwoch in einer Aussendung. Anlass gab ein Bericht der Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam, wonach in Europa 50 Millionen Menschen das Geld fehlt, um ihre Wohnungen zu heizen oder unvorhergesehene Ausgaben zu bestreiten. Die Sorgen und Nöte der Menschen dürften nicht vergessen werden, so Landau, der von einer "gesellschaftlich ungesunden und wirtschaftlich problematischen Entwicklung" sprach und die Politik gefordert sah.
Fast ein Viertel der europäischen Bevölkerung, insgesamt 123 Millionen Menschen, lebt laut Oxfam an der Armutsgrenze oder darunter. Ihnen stünden 342 Milliardäre gegenüber, mehr als doppelt so viele wie 2009. Auch für Österreich mit seiner vergleichsweise geringen Einkommensungleichheit weist Oxfam eine deutliche Vergrößerung der Ungleichheit seit 2005 aus. Landau sah in den Zahlen eine Bestätigung der täglichen Erfahrungen der Caritas.
Energie sei ein "Schlüsselthema" für Armut und Druck an den Gesellschaftsrändern, erklärte der Caritas-Präsident. "268.000 Menschen in Österreich geben an, ihre Wohnungen nicht angemessen warm halten zu können. Unsere Erfahrungen zeigen, dass einkommensarme Haushalte knapp elf Prozent ihres Geldes für Wärme und Strom ausgeben. Das ist ein großer Anteil des verfügbaren Budgets, wenn man ohnehin nur ein geringes hat." Zumindest für sozial benachteiligte Haushalte sei im Winter ein "Abschaltverbot" zur Sicherung der Wärmelieferung wichtig, sowie auch ein Energieeffizienz-Fonds zur Unterstützung armutsbetroffener Haushalte, etwa für den Austausch alter und stromintensiver Geräte.
Genauso zeigten sich die Probleme jedoch auch bei der Wohnsituation, wobei hohe Mieten, undurchschaubare Zuschlagsysteme und hohe Eigenmittelanteile nicht nur Menschen am Rand der Gesellschaft betreffen würden. Landau forderte hier mehr Transparenz bei den Zu- und Abschlägen beim Mietrecht, eine Zweckwidmung der Wohnbauförderungsmittel eine sowie flächendeckende Delogierungsprävention.