
Krautwaschl unterstreicht Papstoption für "Fernstehende"
Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl teilt die Option von Papst Franziskus für "Fernstehende" voll und ganz. Franziskus' Auftrag, das Gespräch mit diesen Menschen suchen und sich ihre Enttäuschungen anhören, ohne Anstoß zu nehmen, kommentierte Krautwaschl in einem "Radio Vatikan"-Interview mit der Aussage: "Ich unterstreiche das sogar doppelt und dreifach." Zugleich hinterfragte der Bischof den Ausdruck "der Kirche fernstehend". Er frage sich: "Wer steht wem fern?" Oft seien "jene, die von unseren Begrifflichkeiten her weiter weg sind, näher dran" als jene, die vermeintlich nahe sind.
Krautwaschl plädierte für unmittelbare und offene Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen. Dadurch würde Fragen relativiert wie "Wie weit bist du weg oder wie nah bist du dran?" und es öffne sich auch Raum für Erfahrungen, Enttäuschungen, Verletzungen innerhalb der Kirche.
Anlass für das Gespräch mit "Radio Vatikan" am Sonntag war das jährlich vom Heiligen Stuhl ausgerichtete Seminar für neue Bischöfe in Rom, an dem der im Juni geweihte Krautwaschl mit rund 120 anderen "Jungbischöfen" aus aller Welt teilnahm. Sich "eingebettet zu wissen in der Weltkirche" und unter seinen Amtskollegen eine große Vielfalt an Kulturen und Nationen zu erleben, in denen sich Kirche verwirklicht, sei eine wertvolle Erfahrung für ihn gewesen.
Für Synode mit weltkirchlicher Breite
Das Wahrnehmen auf weltweit "unterschiedlichste Herausforderungen, gerade was Ehe und Familie anlangt", erwartet sich der Grazer Bischof auch von der kommenden Weltbischofssynode. "Die Weltkirche ist weit mehr als das, was bei uns medial immer wieder transportiert wird", wies Krautwaschl hin. "Da geht es um Überlebensmöglichkeiten von Familien und darum, wie man sich heute überhaupt noch leisten kann, Familien zu gründen, und so fort. Da gibt es weit mehr Fragen, als bei uns offen sind."
Weiters erwarte er sich von der Weltbischofsversammlung "ein offenes Umgehen miteinander", das den Vorrang zum Ausdruck bringe, dass hier "Brüder und Schwestern in der ganzen Welt" miteinander kommunizieren, "und nicht zunächst einmal dieses oder jenes Gesetz, das zu verwirklichen ist". Krautwaschl wörtlich: "Wenn da ein Schub dieses ehrlichen Miteinanders und des ehrlichen Aufeinander-Zugehens aus Barmherzigkeit drin ist, dann ist sehr viel erreicht."
"Frischen Wind" durch Papst aufnehmen
Den "frischen Wind", den Papst Franziskus in der Kirche auslöste, findet der Bischof "einfach grandios". Der Papst mache durch seine Art darauf aufmerksam, worauf es wirklich ankommt. "Und wir müssen uns - ich sag es unter Anführungszeichen und sehr vorsichtig - wir müssen uns in der alten Welt gehörig anstrengen, dass wir diesen Wind aufnehmen und unsere Segel davon neu blähen lassen."
Die letzte Frage von "Radio Vatikan" galt der bemerkenswerten Tatsache, dass Krautwaschl im bischöflichen Haus in Graz in einer Wohngemeinschaft leben möchte. Im Sommer sei ein junges Ehepaar eingezogen. "Und die wohnen jetzt schon ein Stück weit mit mir gemeinsam. Wir haben uns auch schon gegenseitig bedauert: Sie in Übersiedlungs-Schachteln, ich in Übersiedlungs-Schachteln. Das wird ein spannendes Projekt!"
Ja zu innerkatholischer Vielfalt
In einem weiteren Großinterview am Wochenende in der "Kleinen Zeitung" brach Bischof Krautwaschl eine Lanze für innerkirchliche Breite. In der katholischen Kirche hätten verschiedenste Menschen "und total unterschiedliche Arten und Weisen Platz, das eigene Leben zu gestalten". Als Beispiel verwies er auf den karitativ engagierten Vinzibusfahrer und die in zurückgezogener Spiritualität lebenden Karmelitinnen - "unterschiedlichste Lebensprojekte und trotzdem ist beides katholisch". Krautwaschl distanzierte sich von der Engführung, "dass Kirche in allen Lebensaspekten so zu sein hat, wie man es sich vorstellt. Gott sei Dank gibt es die Breite und die unterschiedlichen Meinungen." Bei der Frage, wie man den Weg der Nachfolge Christi bestmöglich beschreitet, "können andere, auch mit ihrem Widerstand und ihrer Kritik, helfen".
Grenzen um der Menschenwürde willen müsse jedoch die oft anonym vorgebrachte Kritik in den sozialen Medien haben, erklärte der technik-affine Bischof in der "Kleinen Zeitung". Eine derartige Form der Kommunikation "kann auch Menschen auseinandertreiben" statt das Miteinander zu stärken. Auch für Postings im Internet gelte die "Goldene Regel" aus der Bergpredigt Jesu: "Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen."