
Flüchtlinge: 1.300 Menschen bei "Lichtermeer"
Ein leuchtendes Zeichen für Solidarität mit Flüchtlingen haben 1.300 Menschen am Freitagabend mit einem "Lichtermeer" am Hauptplatz in Wiener Neustadt gesetzt. Dazu aufgerufen hatte ein Verbund aus 20 Organisationen, darunter die Katholische Aktion, Caritas und Diakonie. Es sei dringend an der Zeit, wieder ein Zeichen für ein friedliches Miteinander zu setzen, losgelöst von politischem Weltbild oder Konfession, hieß es von Seiten der Veranstalter.
"Nur ein Europa der offenen Arme kann ein christliches Europa sein", betonte die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer in einer Ansprache bei dem Lichtermeer. Christen wären in diesen Tagen besonders gefordert. Es sei Teil der christlichen Verantwortung, Menschen in Not und auf der Flucht willkommen zu heißen. "Nicht durch Aussperrung und Abschottung wird Europa christlich bleiben, sondern durch Aufnahme und Geschwisterlichkeit", sagte Schaffelhofer.
Lampedusa, Kos, Budapest oder Nickelsdorf riefen dramatisch in Erinnerung, dass die alte biblische Frage "Wer ist mein Nächster?" und die gelebte Antwort darauf von alles entscheidender Bedeutung seien, so die KAÖ-Präsidentin. "Wir müssen uns entscheiden, ob wir ausgrenzen oder solidarisch sein wollen. Wir können unsere Mauern hochziehen, Stacheldrahtzäune errichten, uns abschotten oder Brücken bauen, Grenzen überwinden und Menschen als Schwestern und Brüder willkommen heißen."
Ausdrücklich kritisierte Schaffelhofer "zweifelhafte 'Zuerst wir Österreicher'-Parolen" und einen "menschenverachtenden Egoismus" in der Debatte um die Flüchtlingsthematik. Jeder, der behaupte, Egoismus und Abschottung seien in einer solchen Situation die richtigen Mittel, habe die Idee Europas nicht verstanden. Ein christliches Europa könne nur auf Solidarität und Hilfsbereitschaft aufgebaut sein.
"Fällt das Asylrecht, fällt das Menschenrecht"
Österreich habe in den vergangenen Wochen ein "freundliches Gesicht" gezeigt, betonte Christoph Riedl, Geschäftsführer des Flüchtlingsdienstes der evangelischen Diakonie, mit Blick auf das große Engagement der Zivilgesellschaft in der Versorgung der Flüchtlinge. Die Mehrheit wolle "nicht mehr mitmachen bei der menschenverachtenden Politik gegenüber Flüchtlingen". Gleichzeitig hätten die Ereignisse in Ungarn und in anderen Ländern leider auch das "weniger freundliche" Gesicht Europas gezeigt. Es sei "unerträglich", wenn Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht mit Tränengas "begrüßt" würden, so Riedl. Er erneuerte seine Forderung nach legalen und sicheren Wege für Flüchtlinge nach Europa und nach Österreich. Dafür müsse man die Asylpolitik "radikal" verändern und das Dublin-Abkommen aussetzen.
"Niemand verlässt seine Heimat ohne Grund, Flucht ist kein Verbrechen, Flucht hat Gründe", sagte Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger. Er zeigte sich empört über den Umgang mit Flüchtlingen. Es sei ein Skandal, wenn Menschen auf der Flucht in Europa nicht geschützt werden. "Fällt das Asylrecht, dann fällt das Menschenrecht und dann fällt Europa in sich zusammen", betonte Fenninger.
SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak sieht die gesamte EU aktuell in "Entscheidungstagen": "Lassen wir uns von Angst, Vorurteilen, Misstrauen und Egoismus leiten oder siegen Menschlichkeit und Toleranz?", fragte Pollak in seinem Statement vor den Teilnehmern des Flüchtlingsmeers. Nicht Grenzzäune, sondern Offenheit seien die richtige Lösung. "Das wird uns in Zukunft bestimmt auch vor Probleme stellen, aber Probleme bergen daneben immer Chancen", betonte er.
Quelle: kathpress