Landau hofft auf "Welt ohne Hunger" bis 2030
Hohe Erwartungen stellen die Caritas und andere kirchliche NGOs an die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDGs). Die neuen Ziele seien eine "Chance, weltweite Armut in all ihren Dimensionen Geschichte werden zu lassen", so Caritas-Präsident Michael Landau in einer Aussendung. Ohne finanzielle Mittel werde die Erreichung der Ziele allerdings nicht möglich sein. Hoffnungsvoll zeigte sich auch die NGO-Plattform "AG Globale Verantwortung". Durch die internationale Gültigkeit der Entwicklungsziele bestehe die reale Chance, ein besseres Leben für alle Menschen zu ermöglichen, äußerte sich die Arbeitsgemeinschaft am Donnerstag.
Die "Beendigung der Armut" ist im Ziel Nr. 2 der SDGs niedergeschrieben. Es fordert, dass bis 2030 niemand mehr in absoluter Armut - definiert als weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag - leben muss. Die SDGs seien ein Wegweiser, wie dieses Vorhaben gelingen könne, erklärte Landau. Neu sei, dass die Ziele ab sofort für alle Staaten Geltung haben: "Auch Österreich wird über die Erreichung der Ziele berichten müssen. Besondere Bedeutung werden hier dem Kampf gegen den Klimawandel und für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster zukommen."
Auswirkungen hätten die Bemühungen bei der Armutsbekämpfung auch auf die Flüchtlingskrise. "Gerade angesichts der aktuellen Flüchtlingskrise wird klar: Menschen, die vor Krieg und Gewalt flüchten müssen, die jahrelang in Flüchtlingslagern ohne ausreichende Versorgung ausharren mussten, haben keine Angst vor Grenzzäunen und Stacheldraht. Sie leben in bitterster Armut und wollen für ihre Familien und ihre Kinder ein Leben in Sicherheit und mit Perspektiven für die Zukunft."
Hilfe für Ärmste braucht zusätzliche Mittel
"Der Schwerpunkt der Entwicklungspolitik muss darin liegen, die Menschen in Konfliktstaaten und in den ärmsten Ländern der Welt zu unterstützen. Zum Beispiel mit konkreten Ernährungsprogrammen für die Menschen im Südsudan oder mit Bildungsprojekten für Flüchtlingskinder im Nahen Osten", so Landau und appelliert an die österreichische Bundesregierung: "Ohne finanzielle Mittel wird die Erreichung der SDGs und die Hilfe für Kriegsflüchtlinge in den Herkunftsländern nicht möglich sein - wann, wenn nicht jetzt, sollte ein Stufenplan zur Erhöhung der EZA auf 0,7% des BNP vorgelegt werden?"
Aus der Bilanz der heuer auslaufenden Millenniums-Entwicklungsziele (MDGs) sei ersichtlich, dass dank der gemeinsamen Anstrengungen der Staatengemeinschaft "die Welt zum Besseren verändert werden konnte", erklärte Landau weiter. Die absolute Armut sei halbiert worden, würden heute doch über 160 Millionen Menschen weniger an Hunger leiden als noch vor zehn Jahren, und um mehr als die Hälfte weniger Kinder sterben als noch zu Beginn des Jahrtausends. "Das macht Hoffnung und zeigt, dass wir in der Lage sind, Armut und Hunger zu besiegen. Globale Herausforderungen können nur gemeinsam gemeistert werden. Die neuen Entwicklungsziele geben die Richtung vor, die wir als Staatengemeinschaft einschlagen müssen", so der Caritas-Präsident.
Jeder muss umdenken
"Neue Maßnahmen für die Bekämpfung der Ursachen von Armut, extremer Ungleichheit, Umweltzerstörung und Klimawandel" würden die 150 Staats- und Regierungschefs mit den SDGs ins Auge fassen, erklärte Annelies Vilim, Geschäftsführerin des NGO-Bündnisses "AG Globale Verantwortung". Jeder Staat werde umdenken müssen. Die weltweiten Anstrengungen werden schließlich auch Auswirkungen auf die globalen Flüchtlingsbewegungen haben. "Denn die definierten Ziele stellen Menschen und Umwelt in den Mittelpunkt." Von der österreichischen Delegation erwartet sich die Arbeitsgemeinschaft ein "klares Bekenntnis" zur Erreichung der Ziele in Österreich.