
"Franziskus ist der Störer vom Dienst"
Die Medien in den USA haben am Dienstag das Franziskus-Fieber mit ausführlichen Vorberichten, Analysen und Kommentaren angeheizt. Der Sender "CNN" veröffentlichte zum Auftakt der sechstägigen Papstreise eine neue Umfrage, die zeigt, wie beliebt der Papst im Land sei. Demnach freuen sich knapp die Hälfte aller US-Amerikaner und 78 Prozent der US-Katholiken auf den Besuch, der am Sonntag mit einer Messe beim Weltfamilientreffen in Philadelphia zu Ende geht.
Die Zeitung "USA Today" erinnert daran, dass Päpste in den USA nicht immer willkommen waren, schon gar nicht im Weißen Haus. "Wenige Beziehungen in der politischen Geschichte der USA haben sich über die Zeit mehr verändert wie das zwischen Präsidenten und dem Papst", schreibt das Blatt. Dass Barack Obama Franziskus am Dienstagabend die besondere Ehre erweist, ihn persönlich am Flughafen willkommen zu heißen, wertet die "Los Angeles Times" bloß als "Anfang eines ökumenischen, ekstatischen Willkommens".
Eine Ausnahme machen die Kommentatoren der "Washington Post", die sich alles andere als enthusiastisch zeigen. Sie ziehen eine negative Bilanz der Papstreise auf Kuba. "Der Papst hat absolut nichts gesagt oder getan, das seine offiziellen Gastgeber als unbequem empfinden könnten", kritisiert die Zeitung. Das Blatt kontrastiert das mit dem zu erwartenden Klartext von Franziskus in den USA.
Die "New York Times" mahnt, das Oberhaupt der 1,2 Milliarden Katholiken nicht durch ein politisches Prisma zu betrachten. "Die Kernbotschaft von Franziskus ist nicht ideologisch", heißt es dort. Der derzeitige Papst sei der "Prinz des Persönlichen". Man dürfe sich darauf freuen zu beobachten, wie der Papst auf die Menschen eingehe, genau hinhöre, von ihnen lerne und ihnen liebend begegne.
Mit Blick auf die erste Rede eines Papstes vor beiden Häusern des US-Kongresses schreibt der unter Meinungsmachern in Washington viel gelesene Insider-Dienst "POLITICO", der Besuch lasse die Demokraten hoffen und mache die Republikaner nervös. "Papst Franziskus hat die Prioritäten des Vatikan bedeutsam verschoben, indem er auf die Soziallehre der Kirche abhebt: die Diplomatie, die Armen und den Einsatz für die Einwanderer."
Auch das "Wall Street Journal" beobachtet in seiner Titelgeschichte viele Gemeinsamkeiten zwischen den politischen Anliegen Obamas und der Weltsicht des Papstes. Diese reiche vom Klimawandel über die Atom-Diplomatie mit dem Iran bis hin zu Fragen der sozialen Gerechtigkeit.
Ein Kolumnist der Zeitung sieht den Papst aus anderer Perspektive. Franziskus sei der "Störer vom Dienst" in der Welt, schreibt er und zieht einen Vergleich zu den Außenseitern, die zurzeit die US-Politik aufmischen. "Bernie Sanders und Donald Trump seien "nichts im Vergleich zum Papst, wenn es darum geht, die bestehende Ordnung herauszufordern".
Quelle: kathpress