
Welchen Kurs nimmt die Kirche?
Am 4. Oktober beginnt im Vatikan die Weltbischofssynode über Ehe und Familie. Von einer Ruhe vor dem Sturm aber ist wenig zu spüren. Vatikan-Beobachter berichten in sozialen Netzwerken: Der Austausch und die Fraktionsbildung unter Reformern und Antireformern sei eifrig im Gange. Da bringen elf Kardinäle konservativer Couleur einen Sammelband gegen die Gedanken ihres Amtsbruders Walter Kasper zur Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene heraus, während Papst Franziskus mit einem Paukenschlag-Dekret die Ehenichtigkeitsverfahren drastisch erleichtert und damit teils heftigen Widerspruch auslöst. Der Vorwurf: Er habe der Synodendebatte vorgreifen wollen.
Was also kommt in den drei Wochen bis zum 25. Oktober auf die Weltkirche zu? Zumindest wohl eine recht präzise Standortbestimmung ihrer selbst bzw. ihrer verschiedenen Strömungen im Hinblick auf die Realitäten von Partnerschaft und Familie im 21. Jahrhundert.
Während Medien, besonders die kirchenfernen, gerne das Bild einer "Entscheidungsschlacht" bemühen und bei den kontroversesten Themen - dem Umgang mit Geschiedenen und homosexuellen Partnerschaften - einen oft völlig unrealistischen Erwartungsdruck entfachen, sind die Hoffnungen unter progressiven Teilen an der Basis, auch unter vielen Gemeindepriestern, doch eher bescheiden.
Verändertes Bischofsplenum
Verglichen mit der Außerordentlichen Synode im Oktober 2014 deutet die jetzige Zusammensetzung des Plenums eine leichte Stärkung des reformerischen Flügels an. Diesmal haben die konservativen Afrikaner vergleichsweise weniger Stimmen, weil es nicht mehr bloß einen Vertreter pro Land gibt. Länder mit vielen Katholiken entsenden bis zu vier, die mit wenigen nur einen Synodalen. Davon profitieren die großen Kirchen in Europa und Amerika, in denen etwa Fragen zum Sakramentenzugang viel breiter diskutiert werden.
Eine Richtungsentscheidung bedeutet das aber keineswegs. So wählten etwa die US-Bischöfe eher kompromisslose Vertreter der katholischen Ehe-Lehre zu Synodalen. Auch Polens Bischöfe stehen echten Reformen fern und führen damit das Lager der osteuropäischen Kirchen an. Die vehementesten Befürworter von Veränderungen stammen aus Westeuropa, teils auch aus Lateinamerika. Die Ortskirchen beider Regionen sind zwar zahlenmäßig erheblich, stehen aber mit Blick auf ihre künftige Entwicklung auch unter Druck.
Papst weiter stiller Zuhörer?
Die große Frage wird sein, ob und wie Papst Franziskus zwischen diesen Kräftepolen agieren wird. 2014 war er überwiegend und ganz bewusst stiller Zuhörer. Nun steht er aus Sicht vieler säkularer wie kirchlicher Beobachter vor der Nagelprobe seines Pontifikats. Die Etiketten "historisch" und "gescheitert" wabern als unscharfe Alternativen durch die Berichterstattung.
Dass Franziskus zumindest auf dem Feld der Sakramente für Geschiedene echten Reformen zuneigt, hat er zuletzt bei einer Generalaudienz im August durchblicken lassen. Aber auch immer wieder betont, dass eine lebendige Debattenkultur auf dem Kirchenschiff nicht in Meuterei ausarten darf.
Quelle: kathpress Infodienst