
Qualität wichtiger als Tempo
An der Ökumene führt in den Kirchen kein Weg vorbei, freilich kommt Qualität vor Tempo. Das war der Tenor einer Podiumsdiskussion am Wochenende im Kärntner Bildungshaus Tainach, an dem der serbisch-orthodoxe Bischof von Österreich, Andrej Cilerdzic, der katholische Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hocevar, und Pro Oriente-Präsident Johann Marte teilnahmen. Der Klagenfurter Generalvikar Engelbert Guggenberger stellte eingangs fest, dass Ökumene kein beliebiges Freifach in der Kirche sei, sondern Auftrag Jesu und ein Gebot der Stunde.
Bischof Andrej, der eigentlich an der Familiensynode in Rom teilnimmt und eigens für die Diskussion nach Kärnten gekommen war, berichtete von seinen Erlebnissen im Vatikan. Er wohne und esse gemeinsam mit den katholischen Synodenteilnehmern und dem Papst im Haus Santa Marta. Jedes Gespräch sei ein "Mosaikstein der Ökumene", so der Bischof.
Kämen auch die Anstöße für die Ökumene aus persönlichen Kontakten und Begegnungen, brauche es für die eigentliche ökumenische Arbeit dennoch vor allem kirchliche und theologische Experten, betonte der Bischof weiter. Er verglich die geteilte Christenheit mit einem kranken Körper, "den nicht jeder Beliebige untersuchen und behandeln darf, sondern nur hochausgebildete Chirurgen". Cilderzic plädierte dafür, nicht zu vorschnell zur Einheit zu drängen, sondern diese ordentlich vorzubereiten, "damit sie nicht mehr zerbricht".
Eines der letzten Hindernisse für die Einheit zwischen katholischer und orthodoxer Kirche liege im Primat des Papstes, so Erzbischof Hocevar. In der Ostkirche, wo es kein kirchliches Oberhaupt im Sinne des Papsttums gibt, brauche es mehr Primat, so die Auffassung des Erzbischofs. In der westlichen Kirche, die sich über Jahrhunderte in Richtung Zentralisums entwickelt hat, brauche es mehr Synodalität, griff Hocevar ein zentrales Anliegen von Papst Franziskus auf.
"Bei Gott sind schon alle, die glauben, in Einheit", fasste Pro Oriente-Präsident Marte zusammen: "Unsere Aufgabe ist es, die sichtbare Einheit zu schaffen." Orthodoxe und katholische Christen seien einander schon sehr nahe, es brauche in Wirklichkeit nur noch den letzten Schritt. Vor diesem würden jedoch beide Seiten offensichtlich zurückschrecken, bedauerte Marte.
Grundlegend für den fruchtbaren Dialog sei die Erkenntnis, dass keine der Kirchen alle Wahrheiten in sich vereine, und dass die scheinbaren Gegensätze in den Glaubenswahrheiten nicht kontradiktorisch, sondern komplementär seien. Marte zeigte sich überzeugt, dass nur eine geeinte Christenheit die an sie gerichtete Herausforderung des Islams annehmen könne.
Quelle: kathpress