
Matejka ist "Österreicherin des Jahres"
Die Leiterin der Telefonseelsorge Wien, Marlies Matejka, ist von der Tageszeitung "Die Presse" als "Österreicherin des Jahres" in der Kategorie "Humanitäres Engagement" ausgezeichnet worden. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis würdigt das Angebot der katholischen und evangelischen Kirche, das bereits seit fast 50 Jahren unter der Telefonnummer 142 Tag und Nacht kostenlos und unter Wahrung der Anonymität erreichbar ist. Die Auszeichnung sei eine Wertschätzung aller Mitarbeiter dieser besonderen Form der Lebens- und Krisenhilfe, erklärte Matejka gegenüber der "Presse" (Mittwochausgabe).
Rund 800 ausgebildete Freiwillige in ganz Österreich sind bei der Telefonseelsorge tätig, hören zu, motivieren oder vermitteln wenn nötig an andere Stellen weiter. 130.000 Gespräche werden jährlich geführt, wobei es um Arbeitslosigkeit oder psychische Krankheit ebenso geht wie um Nachbarschaftsstreitigkeiten, Einsamkeit, Ehekonflikte oder selten auch um Menschen, die nicht mehr leben wollen. Die Mitarbeiter am Telefon kommen aus ganz unterschiedlichen Religionen und Jobs, "vom Studenten über den Architekten bis zum Polizisten oder pensionierten Lehrer", so die Sozialarbeiterin, die schon seit 1982 bei der Wiener Telefonseelsorge wirkt, nunmehr als Obfrau des Vereins zur Förderung der Telefonseelsorge Österreich.
Im Rahmen der bereits am Freitagabend stattgefundenen Preisverleihung im Rahmen der Gala "Austria'15" in den Wiener Sofiensälen appellierte Matejka zum "mehr Zuhören", zumal dies für ein friedliches und wertschätzendes Miteinander wichtig sei. Heute jemanden zu finden, der uneigennützig zuhöre und sich wirklich interessiere, sei "nicht selbstverständlich". Zudem stehe in der heutigen digitalen Kommunikation viel mehr das Senden und Posten von Nachrichten im Mittelpunkt, nicht das Empfangen. Dennoch sei ein Zuhören "für einen selbst bereichernd", so die Erfahrung der Telefonseelsorgerin.
Mit dem Preisgeld soll einerseits die Chatberatung der Telefonseelsorge ausgebaut und auch das 50-Jahr-Jubiläum der Telefonseelsorge im nächsten Jahr unterstützt werden, kündigte Matejka an. Chatberatung sei eine Reaktion auf starke diesbezügliche Nachfrage, würden die Menschen doch immer seltener telefonieren und immer öfter schriftlich kommunizieren.
Die Zweitplatzierte Martina Kronberger-Vollnhofer - das Ranking basiert auf einem Leservoting - vom Mobilen Kinderhospiz MOMO erhielt ebenfalls 10.000 Euro Preisgeld. Die Initiative der Caritas, Caritas Socialis und der Mobilen Kinderkrankenpflege MOKI Wien betreut junge Patienten mit lebensverkürzenden oder lebensbedrohenden Erkrankungen sowie auch ihre Geschwister und Angehörige und unterstützt ihre Familien bei Organisationsfragen. An dritter Stelle landete David Zistl, einer der Gründer und Projektleiter der Initiative "Flüchtlinge Willkommen", die Flüchtlingen private Unterkünfte vermittelt.
Quelle: kathpress