
Ein "vergessenes Sakrament" und seine Kraft
Wenn der Priester mit den "letzten Ölen" ins Krankenzimmer tritt, schwingt der Tod zumeist in seinen Schritten mit - die Krankensalbung, besser bekannt als "Letzte Ölung", gilt als Marker für ausgeschöpfte Therapiemöglichkeiten und den kurz bevorstehenden Tod. Das auch offen zu bekennen, fällt vielen Betroffenen schwer. "Sie versuchen in dieser Notsituation den Ernst der Lage und den bevorstehenden Tod zu überspielen und zu verdecken aus Rücksicht aufeinander." Franziskanerpater Thomas Lackner ist erfahrener Seelsorger und im Umgang mit sterbenden Menschen oft mit "einem fehlenden Mut zur Ehrlichkeit in Extremsituationen" konfrontiert, sagte der Priester in einem Interview mit der Zeitschrift "Vision 2000" (Nr. 5/2015).
Der schale Beigeschmack der Krankensalbung ließe Betroffene zögern, den Priester rechtzeitig zu rufen. "Dann werde ich leider erst gerufen, wenn es zu spät ist. Und dann bleibt mir nur, die Sterbegebete zu beten." Gleichzeitig stecke darin ein Auftrag an die Kirche: "Wir müssen unbedingt den Schatz der Krankensalbung, ein Sakrament, das aufrichten soll, ins Bewusstsein heben." Lackner selber gebe Betroffenen zu verstehen: "Sie können sich jederzeit bei mir melden."
Er rät dazu, mutiger zu sein und die Krankensalbung beim Wort zu nehmen - etwa vor einer schweren Operation. Die Erfahrung zeige, "diese Zuwendung richtet Menschen auf". Gebetsbegleitung ist vor schweren Eingriffen ein wichtiges Stichwort. "Menschen, die auch nur ein bisschen Zugang zum Glauben haben, empfinden das Bedürfnis, im Gebet begleitet und mitgetragen zu werden." Hier nimmt Lackner Priester in die Pflicht: "Wir sollten die uns Anvertrauten mit in die Heilige Messe und in unsere Gebete einschließen."
Den Tod vor Augen, nehmen Betroffene die eigene Lebensgeschichte reflektierter wahr und entwickeln das Bedürfnis, "reinen Tisch zu machen". Aufgabe des Priesters sei es dann, "den Menschen erfahren zu lassen, dass die Barmherzigkeit Gottes um ein Vielfaches größer ist als die schwere Sünde". Verharmlosen dürfe das Geschehen allerdings nicht werden, betont der Seelsorger. Sünde bleibe Sünde, "aber sie wird vergeben". Spontane Zuwendungen zum Glauben bei schwerer Krankheit kämen oft vor, hielten aber bei Genesung dem Alltag oft nicht stand. Im Sterben werde offenkundig, "ob sich jemand im Glauben festmachen kann oder nicht".
Die Gesichter der Toten erinnerten ihn daran, "was Vollendung bedeutet" - ein wirklich tiefes Erlebnis, "man spürt einen tiefen Frieden". Im Sterben stehe nicht mehr der Schrecken der Trennung im Vordergrund, es werde spürbar, "dass der Tod die Vollendung des Lebens hier auf Erden, aber auch das Hineinbewegen in die Ewigkeit Gottes ist".
Quelle: kathpress