
Orthodoxer Bischof Cilerdzic würdigt Familiensynode
Beeindruckt von der vatikanischen Familiensynode hat sich der Wiener serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic) gezeigt. Er hatte als Gast an der Synode teilgenommen. Im "Kathpress"-Gespräch würdigte der Vertreter der Orthodoxie, dass sich Papst und Bischöfe ganze drei Wochen "für dieses so wichtige Thema" Zeit genommen hätten. Viele der angesprochenen Themen würden auch die orthodoxe Kirche betreffen. "Die Säkularisierung macht auch vor der Orthodoxie nicht Halt", so der Bischof wörtlich. Die Resultate bzw. Erkenntnisse der Synode seien deshalb auch für die Orthodoxie von Bedeutung.
Zudem zeigte sich der orthodoxe Bischof von der Gesprächskultur und der großen gegenseitigen Wertschätzung unter den Synodenteilnehmern beeindruckt - auch wenn die Teilnehmer bei manchen Themen unterschiedliche Standpunkte vertreten hätten.
Er habe die Einladung von einigen Vertretern der Orthodoxie auch nicht nur als einen Akt der Höflichkeit erlebt, unterstrich der Bischof: Sowohl im Plenum wie auch in der deutschsprachigen Arbeitsgruppe habe er das Wort ergreifen können. In der Arbeitsgruppe habe er auch immer wieder zu bestimmten Themen die orthodoxe Sicht dargelegt.
So seien etwa Jesus Worte von der Unauflöslichkeit der Ehe als Gebot und nicht als Gesetz zu verstehen, an dem nicht gerüttelt werden dürfe. Die Orthodoxie wolle jenen, die gescheitert sind, Barmherzigkeit erweisen. Deshalb gebe es die Möglichkeit einer weiteren Eheschließung. Freilich unterscheide die orthodoxe Kirche auch zwischen erster und zweiter Ehe. So würde bei der zweiten Eheschließung nicht die gleichen Gebete verwendet. Diese hätten vielmehr auch einen starken Buß-Akzent.
Wie Bischof Andrej sagte, habe sich durch die drei Wochen in Rom auch sein Papstbild verändert. Man merke, dass Franziskus nicht nur das Oberhaupt der katholischen Weltkirche sei, sondern vor allem auch "Hirte der Gemeinde von Rom".
Positiv würdigte Cilerdzic auch den breit angelegten synodalen Prozess. Dass im Endeffekt aber letztlich doch wieder nur der Papst etwaige Entscheidungen treffe, sei mit dem orthodoxen Kirchenverständnis nicht vereinbar. Trotzdem glaube er, dass die Synode unter Beteiligung anderer Kirchen wieder ein Schritt hin zu mehr Kircheneinheit darstellte.
Quelle: kathpress