Politik versagt in Flüchtlingskrise
Im Blick auf die gegenwärtige Flüchtlingskrise ortet der Salzburger Caritasdirektor Johannes Dines ein politisches Versagen auf nationaler wie auf internationaler Ebene: Die Politik wisse seit Jahren Bescheid über die Fehlentwicklungen im Nahen Osten und die steigenden Flüchtlingszahlen - und dennoch gebe es keine Strategie, mit der aktuellen Situation umzugehen: "Immerhin sind wir Europa. Wir brüsten uns immer, wie wichtig Menschenrechte sind und dass wir Menschen Asyl geben. Und hier versagt aus meiner Sicht schon das europäische politische System aber auch die globale Politik", so Dines im Gespräch mit dem Kölner "domradio".
Ein Versagen ortet Dines auch angesichts des nahenden Winters: Man sei "zu spät dran", vieles hätte bereits früher geschehen müssen - das gelte für Österreich wie für Deutschland. Großes Lob indes hat der Caritasdirektor für die vielen ehrenamtlichen Hilfskräfte übrig: "Wir haben täglich um die 40 bis 50 Personen allein am Bahnhof und in einer großen Halle in der Nähe der Grenze, wo Kleidung ausgeteilt wird. Man könnte sich das weder leisten noch wäre das aufrecht zu erhalten ohne diesen großartigen Einsatz der Zivilgesellschaft."
Skeptisch zeigte sich Dines im Blick auf Pläne, den durch Österreich vor allem nach Deutschland drängenden Flüchtlingsstrom einzudämmen: Die Ströme seien "fast gar nicht zu steuern": "Sie sind hier in Salzburg so knapp vor ihrem Ziel und wollen unbedingt nach Deutschland. Und deshalb ist das manchmal auch relativ mühsam, sie irgendwo anders unterzubringen. Denn sie sehen Deutschland als ihr einziges Ziel und machen sich zum Teil auch selbst auf den Weg, um an die Grenze zu kommen. Es sind ja vom Bahnhof nur noch sechs Kilometer, dann ist man an der Freilassinger Grenze."
Quelle: kathpress