
Christentum muss alltagstauglich sein
Der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl hat dazu aufgerufen, das "Wort des lebendigen Gottes" in den Alltag des Lebens zu übersetzen. Wenn die Gläubigen etwa an Jesu Worte über die Liebe denken oder an seine Gerichtsrede bei Matthäus - "Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen" - dann wird nach den Worten Krautwaschls deutlich: "Christsein hat etwas mit unserem Leben und nicht nur mit Feiern in unseren zahlreichen Kirchen zu tun." Das könne auch dort deutlich werden, wo Christen damit ernst machten, im Nächsten und in der "Person neben uns" ein Kind Gottes zu sehen.
Krautwaschl äußerte sich am Dienstagabend in einer Predigt beim Gottesdienst in der obersteirischen Pfarre Kapfenberg-St.Oswald, der fünften Station seiner insgesamt acht Treffen umfassenden "Steiermark-Tournee" unter dem Motto "Der Bischof auf dem Weg".
Er hob bei der Messfeier auch hervor, dass Christen nach biblischem Zeugnis die Kirche wie Glieder eines Leibes bilden, die unterschiedliche Aufgaben haben "und gerade deswegen auch einzigartig und unentbehrlich sind". Das verlange Respekt vor unterschiedlichen Wegen der Nachfolge, betonte der Bischof. Den eigenen Weg für den "allein selig machenden" zu halten sei ebenso falsch wie vorschnelle Klassifizierungen in "linke" oder "rechte" Katholiken, "Papsttreue" oder "Bischofstreue", Konservative oder Liberale. Entscheidend sei vielmehr, sich "als Menschen zu begegnen, die sich von Gott gerufen wissen, den persönlichen Weg der Nachfolge authentisch zu gehen und dies für das Gesamt der Kirche, die ein Leib ist, einzubringen".
Bischof Krautwaschl wurde von Dechant Hans Feischl und Bürgermeister Manfred Wegscheider in dem Kapfenberg begrüßt. Beide äußerten Freunde darüber, dass der steirische Bischof an die Basis geht und die Leute ernst nimmt. Wegscheider lobte die Kooperation zwischen Kirche und Politik sowie "die tolle Stimmung, die Papst Franziskus und der neue Bischof ausgelöst haben".
Wie bei den anderen Stationen seiner Besuchstournee tauschte sich Krautwaschl mit dem Klerus, mit haupt- und ehrenamtlichen Kirchenmitarbeitern über die Fragen und Anliegen der Region aus. In Gesprächsrunden wurden Probleme wie die Flüchtlingskrise, Jugendarbeitslosigkeit und Abwanderung angesprochen, heißt es im Bericht der Diözese Graz-Seckau.
Quelle: kathpress