
Österreichische "Klima-Pilger" auf Zielgerade
Kurz vor dem Ziel ihres 370 Kilometer langen Fußweges durch Österreich sind die heimischen "Klima-Pilger": Am Sonntag erreicht die Gruppe, die auf die zu Monatsende startende Weltklimakonferenz in Paris aufmerksam machen will, das Ende ihres Weges in Salzburg-Itzling, wo in der Pfarrkirche um 15:30 Uhr eine ökumenische Sendungsfeier stattfindet. Eine Abordnung der Pilger reist Ende November von Salzburg aus mit dem Zug nach Paris und nimmt dort an der interreligiösen Abschlussfeier der weltweiten "Klima-Pilger"-Bewegungen am 28. November teil, die von der französischen Bischofskonferenz organisiert wird.
Der "ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit" verbindet seit seinem Start am 17. Oktober am Wiener Stephansplatz politisches Engagement für mehr Klimagerechtigkeit mit spirituellen Aspekten. Der Einladung zum Mitgehen, das auch ein Solidaritätszeichen mit vom Klimawandel Betroffenen sein soll, sind bereits zahlreiche Akteure der Gesellschaft gefolgt und haben eine oder mehrere der 22 Tagesetappen begleitet.
Zu ihnen gehört u.a. der neue Generalsekretär der Superiorenkonferenz, Pater Franz Helm, der Geschäftsführer der Koordinierungsstelle (KOO) der Bischofskonferenz für Entwicklung und Mission, Heinz Hödl, sowie auch der Wiener serbisch-orthodoxe Bischof Andrej (Cilerdzic): Das Klimapilgern sei ein "Studium des Lebens" und zeige, "dass wir Menschen Gast auf Erden sind", so der für Österreich, Schweiz, Italien und Malta zuständige Bischof, in dessen Kirche Verzicht ein "zentrales Element christlichen Lebens" ist.
Stärkung der Kleinbauern
Zu den politischen Appellen der Gruppe, die tagesabhängig bis zu 50 Menschen umfasst, gehört u.a. jener zur Stärkung kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Sie spiele bei der Bewältigung der Folgen des Klimawandels sowie der Erhaltung und Pflege von Natur und Umwelt eine maßgebliche Rolle. "Dass Menschen dort, wo der Klimawandel beispielsweise Dürren oder neue Schädlinge hervorbringt, überleben können, steht vielfach damit in Zusammenhang, dass - vorwiegend - Frauen in kleinbäuerlichen Betrieben mit traditionellen Produktionsmethoden wirtschaften und so die Ernährung ihrer Familien und Gemeinden sicherstellen", erklärte kfbö-Generalsekretärin Anja Appel, die zur seit dem Beginn marschierenden "Kerngruppe" der Klimapilger zählt.
Als Beispiel für diese Zusammenhänge nannte Appel die Kaffeeproduktion in Honduras: Der Klimawandel und die damit aufkommenden Pflanzenkrankheiten hätten in dem mittelamerikanischen Land die Kaffeeproduktion bereits enorm beeinträchtigt, während Bauern, die auf organisch-biologische Landwirtschaft und alte Sorten setzten, bislang vergleichsweise glimpflich davonkamen. Die kfbö fördert gemeinsam mit EZA Fairer Handel eine Frauenkooperative vor Ort, die seit 20 Jahren den Wandel hin zu traditionellen Produktionsmethoden vorantreibt und dafür statt Chemikalien Nutzpflanzen einsetzt. Vermischt mit Kaffee aus einer vergleichbaren Kooperative in Uganda, wird die Ernte zur Kaffeesorte "Adelante" verarbeitet und auch in Österreich vertrieben.
Tier-Verzicht, Fußwege und nachhaltige Bildung
Eine Station des österreichischen Klimapilgerweges war am Dienstag die Neue Mittelschule der Franziskanerinnen in Vöcklabruck, die seit elf Jahre dem Netzwerk "Pilgrim" angehört. Im Unterricht schilderten die Schüler den Pilgern über ihre jährlichen Projekte zu den Themenbereichen Nachhaltigkeit, Ökologie, Ökonomie und Soziales. Jeden Freitag verzichtet die Schulküche völlig auf tierische Produkte. Als Selbstverpflichtung, möglichst viele kurze Wege zu Fuß zurückzulegen sowie für Achtsamkeit über die Herkunft der konsumierten Lebensmittel überreichten die Schüler den Pilgern eine "Franziskus-Sandale" für ihren "Rucksack der Alternativen", in dem auf dem Weg vorgefundene Klimaschutz-Ideen gesammelt werden. Weitere Schülerideen: Verzicht auf Plasticksackerl und Plastikverpackungen, lokales Einkaufen, Gartenarbeit und selbst kochen.
Dass die Papst-Enzyklika "Laudato si" die Nachhaltigkeit als "erzieherische Herausforderung" hervorhebt, erklärte "Pilgrim"-Initiator Johann Hisch in einer Mitteilung gegenüber "Kathpress". Ziel müsse es dabei den Papst-Worten zufolge sein, ein "Bewusstsein auf ein neues ökologisches Empfinden und eine großzügige Gesinnung" zu entwickeln; Lehrer sollten "pädagogische Wege einer ökologischen Ethik neu entwerfen", um "in Solidarität, Verantwortlichkeit und der auf dem Mitgefühl beruhenden Achtsamkeit zu wachsen". Nachhaltigkeits-Bildung erfordere einen "langen Atem", verwies Hisch auf Erfahrungen der auf Langfristigkeit angelegten "Pilgrim"-Initiative.
Pioniere vor den Vorhang geholt
Entlang der Route besuchten die "Klimapilger" zahlreiche Kircheneinrichtungen, Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen sowie auch Klimabündnisgemeinden wie zuletzt etwa Schwanenstadt, wo Erfahrungen und laufende Projekte präsentiert wurden. Nachhaltigkeit gehe weit über eine ökologisch-ökonomische Rechnungsgröße hinaus und müsse auch eine "spirituelle Dimension" haben, so der Tenor der Teilnehmer der "Klimapilger"-Veranstaltung in der im Hausruckviertel gelegenen Kleinstadt.
Am Mittwoch statteten die Wanderer schließlich der EZA-Zentrale in Köstendorf einen Besuch ab, am Donnerstag dem Kloster Michaelbeuren, wo ab Montag die katholische Bischofskonferenz tagt. Die letzten drei Tagesetappen führen nach Elixhausen, Salzburg-Zentrum sowie schließlich nach Salzburg-Itzling.
Getragen und unterstützt wird der ökumenische Klima-Pilgerweg von einem breiten Bündnis aus Organisationen der katholischen, evangelischen und orthodoxen Kirche in Österreich. Zur Kerngruppe der Pilger, die den gesamten Weg gehen, gehören u.a. der Sprecher der Ordensgemeinschaften, Fredinand Kaineder, und die Generalsekretärin der Katholischen Frauenbewegung (kfbö), Anja Appel. Ein Mitverfolgen des Weges ist auf der Homepage www.klimapilgern.at sowie auf dem Twitter-Kanal @klimapilgern möglich.
Quelle: kathpress