
Freiwilliges Engagement macht Jesus spürbar
Der Heilige Martin erinnert den Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl an all jene, "die selbstverständlich und selbstlos anpacken, um zumindest ein wenig das Leid zu lindern, das sich dort auftut, wo Menschen auf der Flucht sind". Ähnlich wie der Heilige machten auch sie - "obwohl viele von ihnen nicht pfarrlich engagiert sind" - Jesus "angreifbar" mitten in einer Welt und Menschheit, die meine, ganz gut ohne die Dimension der Transzendenz auskommen zu können und sich daher anschicke, nur mehr um sich selbst zu kreisen. Krautwaschl äußerte sich im Rahmen eines Besuchs in der Pfarre Hartberg am Martinisonntag am 8. November.
Die vielen Helfer lebten nach Ansicht des Bischofs vor, was Papst Franziskus immer wieder in Wort und Tat in Erinnerung rufe: "Christsein ist nicht darauf ausgerichtet, das eigene Sein zu bewahren, sondern verschenkt sich hinein in die Gestaltung der Welt nach dem Plan Gottes." In ihrem Engagement machten sie mit dem Auftrag Jesu aus dem Matthäusevangelium ernst: "Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen."
Krautwaschl warnte mit dem Pastoraltheologen Paul M. Zulehner vor einem "ekklesialen Atheismus", der eine "Versorgungskirche" beschreibe, in der es viele Aktivitäten gebe, Gott und die Freude an ihm aber kaum mehr spürbar werde. Mit Blick auf den Rückgang bei der Priester- und Gläubigenzahl in Österreich heiße das, so Krautwaschl, zu überlegen, was Gott damit sagen wolle. "Denn: egal wie viele Kirchen, Pfarren, Priester, Häuser, Geld, Aktivitäten, hauptamtliche Angestellte und Geweihte wird haben: Die Sendung und der Auftrag der Kirche ist immer derselbe."
Der Bischof hat zu Hartberg eine besondere Beziehung: Von 1990 bis 1993 verbrachte er dort seine Kaplansjahre. Er wird den gesamten Martinisonntag in der Pfarre verbringen. Am Beginn des Bischofsbesuchs stand ein Festgottesdienst in der Hartberger Stadtpfarrkirche um 10 Uhr. Danach folgte eine Agape der Frauen- und Männerbewegung. Eine weitere Gelegenheit zur persönlichen Begegnung mit dem Bischof gibt es am Nachmittag ab 14:30 Uhr in der Aula des Hartberger Bundesschulzentrums. Den Abschluss des Besuchstages bildet die Martinslichtfeier mit Kindern ab 17 Uhr auf dem Hauptplatz.
Flucht auch Thema im Diözesanrat
Das Thema Flucht stand auch im Zentrum der Vollversammlung des Diözesanrats, der am Freitag und Samstag im Bildungshaus Graz-Mariatrost erstmals unter der Leitung von Bischof Krautwaschl. Der diözesane Flüchtlingskoordinator Erich Hohl und Bernhard Windhaber von der Caritas gaben Einblicke in die aktuelle Situation der Flüchtlinge in der Steiermark. Hohl sagte, die Kirche helfe mit, wo sie nur könne, um eine tragfähige Lösung zu finden. Die Aufgabe der Integration dürfe nicht im Nebeneinander stehen bleiben, sondern müsse auf ein gutes Miteinander aus sein.
Entscheidend seien hier der Spracherwerb, eine erfolgreiche Wohnungs- und Arbeitssuche und das soziale Umfeld. In der Grundversorgung sind im gemeinsamen Projekt mit der Caritas mittlerweile mehr als 900 Personen in 45 kirchlichen Quartieren untergebracht. Die Katholische Kirche Steiermark helfe, so Hohl, mit kleinen Einheiten bei einer guten Integration. Ein wesentlicher Faktor sei auch das Engagement der Freiwilligen: "Es waren mehr als 1.100 Menschen in den vergangenen Wochen in der Versorgung in den Transit-Notquartieren", so Windhaber.
Quelle: kathpress