
Kirche begegnet anderen Religionen mit Wertschätzung
Die katholische Kirche begegnet den anderen Religionen mit Wertschätzung und der "unerschütterlichen Überzeugung, dass der Heilswille Gottes alle Menschen umfängt". Darauf wies der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer im Sonntagsgottesdienst beim ersten "Gipfel der Religionen", der am Wochenende in St. Christoph am Arlberg in Tirol stattfand. Das respektvolle Verhältnis zu den anderen Weltreligionen sei vom Zweiten Vatikanischen Konzil in mehreren Dokumenten festgehalten worden. Die Kirche bekenne sich uneingeschränkt zur Religionsfreiheit "und weiß sich gesendet, im Dialog für die Würde des Menschen, Frieden und Gerechtigkeit einzutreten", erklärte Scheuer.
In der Konzilserklärung "Nostra aetate" heißt es wörtlich: "Die Kirche verwirft nichts von dem, was in diesen Religionen wahr und heilig ist." Zugleich müsse sie aber immer Christus als "den Weg, die Wahrheit und das Leben" verkünden, weil sie bekenne, "dass in ihm alle Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden". Nach den Worten des Innsbrucker Bischofs schließen sich Christusbekenntnis und Hochachtung vor den Werten der anderen, ja sogar deren Förderung nicht aus, sondern bedingen einander. "Dialog ist daher, das lehrt uns die Erfahrung seither, nur in einer Identität möglich, die Wurzel und Offenheit zu verbinden weiß", betonte Scheuer in seiner Predigt.
Dass es dem Konzil nicht um eine Ökumene der Religionen gegen die säkulare Welt oder gar die Atheisten ging, zeige die Aufforderung, sich gemeinsam für das Wohl aller Menschen einzusetzen. Die Kirche entziehe damit jeder Form von Rassenhass und Verfolgung der Menschen den Boden, so Scheuer: "Die Einheit der Menschheitsfamilie als Kinder Gottes fordert einen entsprechenden Umgang untereinander ein."
Die Mitte des Textes von "Nostra aetate" bildeten die Aussagen zum Judentum, wies Scheuer hin: Die Kirche wisse sich in ihrer Herkunft und damit in ihrer Identität "unabweisbar an das Volk Israel verwiesen", das Judentum sei "in einem geistlichen Band mit der Kirche verbunden". Damit einher gehe eine unumkehrbare Absage an traditionelle Vorstellungen innerhalb des Christentums, die den christlichen Antisemitismus nährten und sich auch im Rassenwahn des Nationalsozialismus und dessen systematischer Judenverfolgung auswirkten.
Der "Gipfel der Religionen" ging bis Sonntag der Frage nach, "wie wir den 'Culture Clash' noch vermeiden können". Vertreter der monotheistischen Religionen sowie renommierte Künstler und Intellektuelle erörterten dabei mögliche Beiträge der Religionen zur Bewältigung von Krisen, u.a. die deutsche Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, der in Wien lehrende deutsche Theologe Thomas Möllenbeck und Muhamed Fazlovic von der Fakultät für islamische Studien in Sarajevo.
Quelle: kathpress