
Kritik an fremdenfeindlichen Brauchtums-Christen
Beim Thema Flüchtlinge "machen sich plötzlich Leute für das Christentum stark, die mit christlichen Werten wenig am Hut haben": Mit diesen Worten kritisierte die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, all jene "Brauchtums-Christen", die sich "sehr für Abschottung aussprechen und das christliche Abendland in Gefahr sehen". Sie hätten Angst, dass Bräuche und eingelernte Gewohnheiten infrage gestellt werden, erklärte Schaffelhofer in der neuen Ausgabe der Kärntner Kirchenzeitung "Sonntag".
"Aus dem Evangelium schöpfende" Christen hätten dagegen mit der Frage der Migration und der Aufnahme von Flüchtlingen "kein Problem". Nach den Worten der KAÖ-Präsidentin ist es ein "christlicher Auftrag, den Fremden willkommen zu heißen und in jedem Fremden Christus selbst zu sehen". Aus christlicher Überzeugung sei sie auch gegen Zäune, mit denen "kein Problem gelöst" werde. Schaffelhofer wörtlich: "Christentum ist grenzenlos, und dazu bekenne ich mich."
Zugleich bekundete die jüngst in ihrer Funktion wiedergewählte Verlegerin an der Spitze der offiziellen katholischen Laienbewegung Verständnis für in der einheimischen Bevölkerung vorhandene Ängste. Diese seien am besten durch unmittelbaren Kontakt und persönliches Gespräch abbaubar. "Ich bin überzeugt, wenn 'der Flüchtling' ein Gesicht bekommt, (...) merkt man, dass die Angst völlig unbegründet ist", sagte Schaffelhofer.
Die Frage, ob hinter den Ängsten nicht manchmal Unsicherheit steckt, ob man gegenüber Muslimen im eigenen Glauben sattelfest genug ist, bejahte Schaffelhofer: "Ich glaube, dass eine der wesentlichen Zukunftsaufgaben religiöse Bildung ist." Heimische Christen müssten lernen, sich wieder zu ihrem Glauben zu bekennen - und im Wort "bekennen" stecke "kennen", wie die studierte Theologin und Germanistin hinwies. Es gelte aber nicht nur das Wissen zu stärken, "sondern unser Christentum auch neu beleben".
Schaffelhofer sprach vom Wandel von einem tradierten Glauben zu einem "reflektierten Christsein, das sich im konkreten Tun manifestiert". Nichts sei überzeugender als das gelebte Christsein. Das sei auch "die beste Einladung, die wir jenen aussprechen können, die zu uns kommen".
"Heilsamer Reinigungsprozess" im Vatikan
Die aktuellen Vorgänge im Vatikan bewertete die KAÖ-Präsidentin als "einen Reinigungsprozess, der weh tut, aber letztlich heilsam sein wird". Die Kirche sei "nicht die Manifestation des Heiligen Geistes", sondern Schauplatz von "sehr viel Menschlichem". Das gilt nach den Worten Schaffelhofers nicht nur für den Vatikan, sondern genauso für kleine Kirchenorganisationen und Pfarren.
Im Rückblick auf ihre vergangene, dreijährige Funktionsperiode als Präsidentin sei es gelungen, die Katholische Aktion "neu zu positionieren - innerkirchlich wie in der Gesellschaft". Schon vor dem Anstoß durch Papst Franziskus habe die KAÖ beschlossen, die Ränder der Gesellschaft stärker in den Blick zu nehmen. "Wir haben geschaut, wo der Schuh drückt und uns um diese Anliegen gekümmert." Die Katholische Aktion habe sich zuletzt durch ihr Engagement im "Zukunftsforum" der katholischen Kirche in Österreich auch stark den Themen Ökologie, Familie, Arbeit und Pluralität in der Gesellschaft gewidmet. "Das wird in den kommenden Jahren fortgesetzt", versicherte Schaffelhofer. Ziel sei es auch, "für unsere Wertvorstellungen Achsen in Kirche und Gesellschaft zu bauen".
Quelle: kathpress