Aktuelle Flüchtlingslage birgt Chancen
Die derzeitige Flüchtlingssituation in Österreich ist "nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance für die Kirche": Darauf wies der Direktor der Caritas Kärnten, Josef Marketz, bei der Herbst-Plenarsitzung des Gurker Diözesanrates hin. Allein die Tatsache, dass sich die Anzahl der freiwilligen Mitarbeiter in der Flüchtlingsbetreuung zuletzt potenziert habe, zeige, "dass wir unseren Mitmenschen viel mehr zutrauen und zumuten können", sagte der Kärntner Bischofsvikar.
Spannenderweise werde Religion aufgrund der Flüchtlingsfrage wieder zum Thema, so Marketz weiter. Das zwinge zur Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben. Die Liebe als "das Fundament unseres Glaubens" sei "nicht teilbar und ausgrenzend", und die jüngst gezeigte Solidarität zeige, dass Vertrauen in die Liebe der Menschen berechtigt sei. "Ich begreife die Situation als eine, die der Heilige Geist uns schickt, damit wir uns wieder selber mehr als Kirche begreifen", so der Caritasdirektor wörtlich. "Wir werden es schaffen, weil wir viele sind, weil wir Liebende sind, weil Christus mit uns ist, und weil Christus im Antlitz jedes Menschen - egal welcher Religion er ist - sichtbar werden kann."
Auch der Klagenfurter Diözesanbischof Alois Schwarz unterstrich die religiöse Relevanz des Flüchtlingsthemas. "Wir haben einen Gott, der um Fremde weiß, der unübertrefflich an unserer Seite ist", sagte er in seinem Impuls vor dem Pastoralrat. Dieser Gott gehe mit ins Exil, in die Verbannung und in die Fremde, wie etwa die Flucht der heiligen Familie nach Ägypten zeige. Die Antwort auf den "mitgehenden Gott" solle sein, "Menschen der Hoffnung zu sein", sagte der Bischof. Christen müssten sich einbringen, "auch wenn es noch so viele Sperrfeuer des Terrorismus gibt".
Kirchliches "Umdenken" beim Thema Familie
Inhaltlicher Schwerpunkt der siebenten Plenarsitzung des Diözesanrats in der laufenden Funktionsperiode war die vor wenigen Wochen zu Ende gegangene Familiensynode und die sich daraus ergebenden Fragen für die katholische Kirche in Kärnten. Der langjährige Familienseelsorger der Diözese Gurk, Jesuitenpater Reinhold Ettel, ortete ein kirchliches "Umdenken": Eine Wertschätzung der Familie in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen sei bei der Bischofsversammlung in Rom spürbar geworden, gezeigt habe sich dies u.a. auch in einer "nicht diskriminierenden, sondern wertschätzenden Sprache".
Gerade im Blick auf Menschen, die in einer zivilen zweiten Ehe leben, hat die Synode nach Einschätzung P. Ettels ein Umdenken im Zugehen und in der Sprache gezeigt. Die Bischöfe, Priester und Seelsorgemitarbeiter in der Kirche seien aufgefordert zu "hören" und zu "begleiten". Vor allem dürfe es keine einfachen Lösungen geben. "Wir müssten dem konkreten Leben nach-spüren und unterscheiden, dem Leben gerecht begegnen und barmherzig sein", so der Jesuit.
Bischof im Rückblick auf die Familiensynode: "Ich glaube, dass die Fragen der Menschen in Rom angekommen sind." Kirche zu sein sei "eine Stilfrage - und unser Stil ist der der Barmherzigkeit", so Schwarz abschließend.
Quelle: kathpress