
Nein zum Familiennachzug schwer nachvollziehbar
Die geplante Verschärfung beim Familiennachzug von anerkannten Flüchtlingen hat der neue Caritasdirektor der Diözese Feldkirch, Walter Schmolly, kritisiert. Wenn die Behörden zur Einschätzung gelangen, dass ein Betroffener nicht mehr in seine Heimat zurück kann, weil er dort mit dem Tod bedroht ist, "dann ist es schwer nachzuvollziehen, dass man sagt: Aber die Familie soll dort bleiben", gab Schmolly in einem Interview mit ORF-Radio-Vorarlberg am Wochenende zu bedenken. Eine solche Hürde treffe vor allem Kinder. Und für die Integration von Flüchtlingen in Österreich sei der verweigerte Familiennachzug nicht hilfreich. "Im Gesamten glaube ich, dass man sich mit dieser Maßnahme nicht wirklich etwas Gutes tut", so Schmolly.
Walter Schmolly, vormals Pastoralamtsleiter der Diözese Feldkirch, ist seit 1. November Nachfolger von Peter Klinger als Chef der Caritas Vorarlberg.
Die Caritas betreut im westlichsten Bundesland Österreichs derzeit rund 2.300 Flüchtlinge, heißt es auf vorarlberg.orf.at. Zuletzt sei die Verantwortung "nicht mehr nur an die Caritas delegiert" worden. Bürgermeister, Gemeinden und viele ehrenamtliche Helfer zeigten breites zivilgesellschaftliches Engagement und würden die Caritas entlasten. "Ansonsten wäre das nicht mehr zu leisten", gab Schmolly zu.
Einheimische kommen nicht zu kurz
Dass sich die Caritas wegen der Flüchtlinge nicht mehr um die Nöte der einheimischen Bevölkerung kümmere, stellte Schmolly in Abrede. "Wir kennen diese Sorge. Aber ich kann da wirklich mit gutem Gewissen sagen: Sie ist unberechtigt." Er könne belegen, dass die Unterstützung zumindest im selben Maße vorhanden sei wie zuletzt, sagte der Caritasdirektor. Die Caritas-Sozialberatungsstellen würden sich heuer sogar um rund zehn Prozent mehr Menschen kümmern - im gesamten Jahr voraussichtlichen 2.750 Personen - als noch im Vorjahr. "Das ist uns wirklich wichtig, dass das so ist, weil wir ansonsten meinen würden, dass es wirklich in eine Schieflage geraten würde und dem sozialen Frieden im Land auch nicht gut täte", so Schmolly.
Zum Umgang mit den in Vorarlberg lebenden Roma meinte Schmolly, Bettelverbote und Rückkehrhilfen hätten nur kurzfristig etwas gebracht. Im Feldkircher Caritas-Café würden täglich bis zu 60 Roma versorgt, darunter "auch neue Gesichter, die wir noch nicht kennen", so Schmolly. Das zeige, dass der Versuch, das Problem zu verlagern, nicht gelinge.
Als "Gutmensch" tituliert zu werden, ist für Schmolly - wie er sagte - keine Beleidigung, "sondern eher ein Kompliment." Die Arbeit der Caritas zeige, dass man durchaus imstande sei, realistische Lösungen für Probleme zu finden.
Quelle: kathpress