
Wer war Maria?
"Maria" stammt aus dem Griechischen und leitet sich vom hebräischen Namen "Miriam" ab, das soviel wie "Bitterkeit" oder "Betrübnis" bedeutet. Namentlich wird Maria mehrfach in allen vier Evangelien des Neuen Testaments erwähnt. Laut biblischem Zeugnis lebt sie mit ihrem Mann Josef in der kleinen Stadt Nazaret in Galiläa. Obwohl sich außerbiblisch keine unabhängigen Erwähnungen Mariens finden, gehen die Forscher heute von ihrer historischen Authentizität aus. Exegeten vermuten, dass Maria aus einem Priestergeschlecht stammte, da sie mit Elisabeth verwandt war und diese mit dem Priester Zacharias verheiratet war. Beim Fest "Mariä Empfängnis" feiern wird die unbefleckte Empfänigmnis Marias durch ihre Mutter Anna. Diese wird allerdings gemeinsam mit ihrem Mann Joachim nur im apokryphen Jakobusevangelium erwähnt.
Obwohl die Gestalt Marias als historisch betrachtet wird, dürfen die Schilderungen in den Evangelien nicht als Biografie verstanden werden. Vielmehr ist das Bild, das von den Evangelisten gezeichnet wird, von der Verkündigung Jesu Christi geprägt. Es ist auch diese radikale Christusbezogenheit, die den Grundstein bildet für die umfassende Bedeutsamkeit für den Glauben und die Lebenspraxis der Christen bis in unsere Gegenwart. Maria wird in ihrer Rolle als Gottesmutter auch als erste Adressatin des Heilshandeln Gottes an den Menschen gesehen.
Ihre Geschichte beginnt mit der Erscheinung des Erzengels Gabriel, der ihr verkündet, dass sie ein Kind empfangen wird, ohne bei ihrem Mann gelegen zu sein. Es ist der Heilige Geist, der über sie kommen wird und ihr Kind wird der Sohn Gottes sein. Einem Gesetz folgend ziehen Maria und Josef einige Monate später nach Bethlehem, um sich registrieren zu lassen. Dort bringt sie Jesus zur Welt. Um ihren neugeborenen Sohn vor dem Herrscher Herodes zu schützen, flieht die junge Familie nach Ägypten. Erst nach zwei Jahren können sie in ihre Heimatstadt Narzaret zurückkehren.
Jesus wächst heran, er verbringt viel Zeit im Tempel und kümmert sich mehr um die am Rande der Gesellschaft stehenden als um seine Familie. Dass Jesu Verhältnis zu seiner Mutter Maria nicht immer frei von Spannungen war, beschreiben einige Stellen in den Evangelien. In Joh 2,4 fragt er seine Mutter: "Frau, was habe ich mit dir zu schaffen?" In Mk 3,34 fragt er: "Wer ist meine Mutter? Wer sind meine Geschwister?"
Dennoch folgt sie ihm nach Jerusalem und wird seine erste Jüngerin. Sie muss mit ansehen, wie ihr Sohn gefoltert wird und am Kreuz seinen Tod findet. Sterbend fordert Jesus seine Mutter Maria und seinen Lieblingsjünger Johannes auf, sich gegenseitig als Mutter und Sohn anzuerkennen: "Siehe dein Sohn, siehe deine Mutter" (Joh, 19,25). In der Apostelgeschichte wird Maria als eine jener Frauen erwähnt, die mit den Jüngern betend auf die Sendung des Heiligen Geistes warten (Apg 1,14).