Antisemitismus ist unchristlich
Es ist heute nicht mehr möglich, mit dem christlichen Glauben gegen das Judentum zu ziehen: Das hat der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit in einer Botschaft zum Channukah-Fest an die jüdischen Gemeinden Österreichs klargestellt. Die Kirche habe in jüngster Vergangenheit dem Rechtsextremismus "das theologische Fundament entzogen": "Antisemitismus ist Sünde, sagen Bischöfe und Theologen dieser Jahrzehnte - zum allerersten Mal seit der Entstehung des Christentums", heißt es in der am Montag veröffentlichten Erklärung.
Für Juden werde die politische Lage derzeit vielerorts dunkler, warnen der Präsident und die Geschäftsführerin des Ausschusses, Martin Jäggle und Sarah Egger, in ihrem Schreiben. "Juden und Jüdinnen werden von Nationalisten attackiert und angefeindet und sind mit in Gewalt ausartenden Vorurteilen konfrontiert." Das von der Kirche entzogene theologische Fundament allerdings sei für diesen "neuen Rechtsextremismus" ein Problem, das dieser vor einigen Jahrzehnten noch nicht gehabt habe.
Die positive "schrittweise Entwicklung" im Christentum sei jedoch "noch lange nicht in alle Bereiche vorgedrungen", heißt es in der Botschaft, und weiter: "Wie wir auch zu Channukah ein Licht nach dem anderen entzünden, so hoffen wir, dass durch die Bemühungen im christlich-jüdischen Dialog Stück für Stück Vorurteile und Aberglaube abgebaut werden."
Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit ist seit 1956 im Aufbau des gegenseitigen Vertrauens zwischen Christen und Juden tätig und feiert damit im kommenden Jahr sein 60-jähriges Bestehen. Das in Österreich einzigartige Forum aus Christen verschiedener Konfession und Vertretern der jüdischen Gemeinden unterstützt und begleitet die Kirchen, u.a. durch Impulse für die Bildungsarbeit in Pfarrgemeinden und kirchliche Strukturen. Ziel ist es, festgefahrene Vorurteile und Feindbilder zu überwinden, alternative Modelle für den Umgang mit Konflikten anzubieten und die Gesprächs- und Streitkultur zwischen den Religionen sicherzustellen.
(Info: www.christenundjuden.org)
Quelle: kathpress