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Kritik an Rechtfertigungsdruck auf Muslime
Scharfe Kritik an einem "Misstrauensvorschuss" gegenüber in Europa beheimateten Muslimen nach den Attentaten von Paris hat die Wiener Theologin Regina Polak geübt. "Ich halte es für ein riesiges Problem, dass Muslime mit der Staatsbürgerschaft eines europäischen Landes permanent unter Rechtfertigungsdruck stehen und sich jetzt auch nach Paris dafür rechtfertigen müssen, wieso diese irren Terroristen das gemacht haben", sagte Polak in einem Interview für die aktuelle Ausgabe der Wiener Kirchenzeitung "Der Sonntag".
Subtil werde mit einer derartigen Einstellung unterstellt, dass die österreichischen oder europäischen Muslime "eigentlich eher zu denen als zu uns" gehörten. Das sei einem Klima des Zusammenlebens abträglich "und fördert eher Radikalisierungen", warnte die Theologin.
Polak, die sich seit längerem mit Migrations- und Integrationsfragen beschäftigt, plädierte dafür, die Kompetenzen muslimischer Österreicher, Deutsche, Franzosen hinsichtlich eines europäischen Islams zu nützen. "Diesen muss man nicht unter staatlicher Mithilfe noch neu erfinden, es gibt ihn schon." Die Gläubigen, die für einen solchen Islam stehen, wären dringend als Brückenbauer zu fördern, so die Theologin. Wenn es in Europa gelinge, mit Muslimen zusammenzuleben, wäre dies nicht nur für den sozialen Frieden hier notwendig, sondern als "globales Friedenssymbol" wertvoll.
"Teil der Lösung und Teil des Problems"
Mit dem evangelischen Bischof Michael Bünker hielt Polak in dem Interview fest: "Religion kann ein Teil der Lösung und ein Teil des Problems sein." Bei der Migration spiele Religion "evidenterweise eine massive Rolle", weil die Mehrheit der Zuwanderer und Flüchtlinge "Religion im Gepäck mitbringt". In Europa gebe es eine lange christliche Tradition der Islamophobie, negative Stereotypen über den Islam gebe es seit dessen Entstehung, erinnerte Polak. Der Islam sei von jeher "der Archetyp der anderen Religion, der anderen Kultur" gewesen und sogar "Inbegriff der Ankündigung der Apokalypse". Diese Motive seien medial, politisch und gesellschaftlich immer noch stark präsent. Dabei werde oft übersehen, dass auch die christlichen Migranten aus sehr unterschiedlichen kulturellen Traditionen kommen.
Polak verwies auf empirische Studien, wonach sich die christliche Bevölkerung in Bezug auf ihre islamophoben Vor- und Einstellungen nicht signifikant vom Rest der Bevölkerung unterscheidet. "Aber gleichzeitig ist das Christentum natürlich ein Teil der Lösung, nämlich in Form der Gemeinden, die momentan viele Flüchtlinge aufnehmen." Es zeige sich auch, dass viele Menschen plötzlich in Gemeindenähe kämen, die schon lange keine Kirche gesehen haben, weil sie sich engagieren wollen. "Da findet ein unglaublicher Vitalisierungsschub statt", freute sich die Theologin.
Flüchtlinge als Impulsgeber
Die aktuellen Flüchtlingsströme erinnern Polak an die Bilder vom Exodus der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei, die wie die Menschen heute "aus autoritären despotischen Machtverhältnissen ausgezogen sind". Theologisch betrachtet stehe Gott "zuerst auf deren Seite".
Zugleich ortet Polak "für uns selber hier in Europa ein Befreiungspotenzial", da die Flüchtlinge einen Anstoß gäben nachzudenken, was ihre Ankunft mit der hier vorherrschenden Lebensweise zu tun hat. "Ob wir in Europa mehrheitlich das so wahrnehmen können, bin ich ein bisschen skeptisch, weil es eine sehr humanistische oder in meinem Fall eine religiöse Perspektive braucht, in diesen Bildern auch die Hoffnung zu sehen." Jenseits von "naivem Optimismus" sehe sie trotz aller Probleme die Möglichkeit für das, was die Bibel "Metanoia" - Umkehr - nennt.
Subtil werde mit einer derartigen Einstellung unterstellt, dass die österreichischen oder europäischen Muslime "eigentlich eher zu denen als zu uns" gehörten. Das sei einem Klima des Zusammenlebens abträglich "und fördert eher Radikalisierungen", warnte die Theologin.
Polak, die sich seit längerem mit Migrations- und Integrationsfragen beschäftigt, plädierte dafür, die Kompetenzen muslimischer Österreicher, Deutsche, Franzosen hinsichtlich eines europäischen Islams zu nützen. "Diesen muss man nicht unter staatlicher Mithilfe noch neu erfinden, es gibt ihn schon." Die Gläubigen, die für einen solchen Islam stehen, wären dringend als Brückenbauer zu fördern, so die Theologin. Wenn es in Europa gelinge, mit Muslimen zusammenzuleben, wäre dies nicht nur für den sozialen Frieden hier notwendig, sondern als "globales Friedenssymbol" wertvoll.
"Teil der Lösung und Teil des Problems"
Mit dem evangelischen Bischof Michael Bünker hielt Polak in dem Interview fest: "Religion kann ein Teil der Lösung und ein Teil des Problems sein." Bei der Migration spiele Religion "evidenterweise eine massive Rolle", weil die Mehrheit der Zuwanderer und Flüchtlinge "Religion im Gepäck mitbringt". In Europa gebe es eine lange christliche Tradition der Islamophobie, negative Stereotypen über den Islam gebe es seit dessen Entstehung, erinnerte Polak. Der Islam sei von jeher "der Archetyp der anderen Religion, der anderen Kultur" gewesen und sogar "Inbegriff der Ankündigung der Apokalypse". Diese Motive seien medial, politisch und gesellschaftlich immer noch stark präsent. Dabei werde oft übersehen, dass auch die christlichen Migranten aus sehr unterschiedlichen kulturellen Traditionen kommen.
Polak verwies auf empirische Studien, wonach sich die christliche Bevölkerung in Bezug auf ihre islamophoben Vor- und Einstellungen nicht signifikant vom Rest der Bevölkerung unterscheidet. "Aber gleichzeitig ist das Christentum natürlich ein Teil der Lösung, nämlich in Form der Gemeinden, die momentan viele Flüchtlinge aufnehmen." Es zeige sich auch, dass viele Menschen plötzlich in Gemeindenähe kämen, die schon lange keine Kirche gesehen haben, weil sie sich engagieren wollen. "Da findet ein unglaublicher Vitalisierungsschub statt", freute sich die Theologin.
Flüchtlinge als Impulsgeber
Die aktuellen Flüchtlingsströme erinnern Polak an die Bilder vom Exodus der Israeliten aus der ägyptischen Sklaverei, die wie die Menschen heute "aus autoritären despotischen Machtverhältnissen ausgezogen sind". Theologisch betrachtet stehe Gott "zuerst auf deren Seite".
Zugleich ortet Polak "für uns selber hier in Europa ein Befreiungspotenzial", da die Flüchtlinge einen Anstoß gäben nachzudenken, was ihre Ankunft mit der hier vorherrschenden Lebensweise zu tun hat. "Ob wir in Europa mehrheitlich das so wahrnehmen können, bin ich ein bisschen skeptisch, weil es eine sehr humanistische oder in meinem Fall eine religiöse Perspektive braucht, in diesen Bildern auch die Hoffnung zu sehen." Jenseits von "naivem Optimismus" sehe sie trotz aller Probleme die Möglichkeit für das, was die Bibel "Metanoia" - Umkehr - nennt.
Quelle: kathpress