
Bald 1.000 Flüchtlinge in Diözese kirchlich betreut
Von Weihnachtsruhe ist beim neuen Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl noch keine Rede: Zu viel gibt es noch zu tun - nicht nur in der Seelsorge, sondern auch im Bereich der Flüchtlingshilfe. So werden bis Jahresende in seiner Diözese vermutlich über 1.000 Flüchtlinge in kirchlicher Betreuung sein: "Ich bin zuversichtlich, dass wir die 1.000er-Marke bis Weihnachten knacken werden", so Krautwaschl im Gespräch mit "Kathpress". Derzeit werden laut diözesanen Angaben in kirchlichen Quartieren, d.h. in Pfarrhöfen, Klöstern, angemietete Räume etc., in der Steiermark 950 Flüchtlinge untergebracht. Die Betreuung hat im Auftrag des Landes Steiermark die Caritas übernommen.
Darüber hinaus stehe die Kirche über die Caritas mit jedem der rund 8.400 betreuten Asylwerber in der Steiermark in Kontakt. Derzeit befinde man sich allerdings in politischen Gesprächen im Blick auf den aktuellen Betreuungsschlüssel: Laut diesem kommen auf eine Betreuungsperson 180 Asylwerber und Flüchtlinge. "Da kann man nicht mehr von Betreuung sprechen", so Krautwaschl. Dies gelte es zu verbessern.
Besorgt zeigte sich der Bischof angesichts einer nachhaltig beschädigten Gesprächskultur im Land: "Jetzt steht sehr dringend die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts an, da das Miteinander zu zerreißen droht". Gerade die Diskussionen der vergangenen Woche in der Steiermark - Stichwort "Zaun-Debatte" - hätten dazu geführt, dass sich "Positionen verhärtet" hätten und "fast kein Gespräch mehr möglich" sei. Da komme der Kirche eine besondere "Vermittlerrolle" zwischen Gesellschaft und Politik zu. "Diese Vermittlerrolle müssen wir uns jetzt verstärkt auf die Fahnen heften", so der Grazer Bischof.
Mehr als 105.000 Euro umfasst außerdem der von Bischof Krautwaschl initiierte Hilfsfonds ("Refugio") für die Asylhilfe im In- und Ausland. Das Geld ist zweckgewidmet und kommt jeweils zur Hälfte der Flüchtlingshilfe in Österreich und einem Projekt für schutzsuchende Jesiden und Christen im Irak zugute. Anlässlich des Winters geht man davon aus, dass man zusätzlich rund 1.500 Kälteschutzpakete für Flüchtlinge in der Steiermark zur Verfügung stellen wird, die von den Erstaufnahmezentren direkt in die Flüchtlingsquartiere kommen. Bischof Krautwaschl bat daher, von Weihnachtsgeschenken abzusehen und stattdessen für die Flüchtlingshilfe zu spenden.
Quelle: kathpress