
Jeder soll zur "Tür der Barmherzigkeit" werden
Jede und jeder Einzelne und auch die Kirche als Ganze sollen zu einer "Tür der Barmherzigkeit" werden, durch die Gottesbegegnung möglich wird: Dazu hat der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl am Samstag in Mariazell aufgerufen. Zuvor öffnete er die Heilige Pforte der Wallfahrtsbasilika, so wie dies auch in 36 anderen Kirchen in der Steiermark der Fall sei. Diese Pforten seien eine Einladung, "sich mit der Barmherzigkeit Gottes, also seiner Liebe beschenken und förmlich bekleiden zu lassen: in der Stille, im Gebet, im Lesen der Heiligen Schrift, in der Mitfeier der Eucharistie und auch im Sakrament der Versöhnung", sagte Krautwaschl in seiner Predigt. Die von Gott empfangene Barmherzigkeit gelte es freilich auch anderen Menschen weiterzuschenken.
Der Grazer Bischof erinnerte an die alttestamentliche Tradition der "Jubeljahre", an die Papst Franziskus mit dem von ihm ausgerufenen außerordentlichen Heiligen Jahr anknüpfe. Alle 50 Jahre sei dabei die Überzeugung konkret geworden: Einmal im Leben sollte jeder Mensch die Möglichkeit haben, neu beginnen zu können. In diesen "Jubeljahren" wurden - wie Krautwaschl darlegte - die Sklaven aus ihrem Dienst entlassen und allen ihre Schulden erlassen.
Die Barmherzigkeit Gottes sei keine abstrakte Idee, sondern eine Wirklichkeit, durch die Gott seine Liebe offenbart, so der Bischof weiter. Die Barmherzigkeit sei "die Mitte und der Schlüssel, das Evangelium und damit Gott zu verstehen". Die Kirche habe durch die Jahrhunderte "immer wieder diesen Wesenskern unseres Daseins verdunkelt, auch deswegen, weil wir meinten, der Wahrheit, die Gott ist, damit einen guten Dienst zu erweisen". Doch Gottes Wahrheit sei eine "Gerechtigkeit, die jenseits des Messens und Wägens angesiedelt ist", wie Krautwaschl betonte.
Barmherzigkeit solle somit als Kern der kirchlichen Botschaft betrachtet werden, so der Bischof. "Denn welche Lehre wäre schon wirklich glaubwürdig, wenn sie nur gelehrt, aber nicht gelebt werden würde?" Je konsequenter die Kirche diesen Kern des Evangeliums lebe, "desto authentischer, überzeugender und missionarischer ist ihre Strahlkraft".
Quelle: kathpress