
Neue Rechte ist Kampfansage an biblichen Monotheismus
Sie treten mit dem Impetus auf, das "christliche Abendland" retten zu wollen - dabei liegt der neuen Rechten wie etwa der "Identitären Bewegung" nichts ferner als das jüdisch-christliche Erbe, ja der Monotheismus selbst: Darauf hat der Innsbrucker Theologe Jozef Niewiadomski in einem Beitrag in der aktuellen Ausgabe der "Furche" hingewiesen. Indem nämlich die Neue Rechte auf Vorrechte etwa der Einheimischen vor den "Fremden" poche und damit letztlich die Gleichheit aller Menschen bestreite und das Bekenntnis zu Menschenrechten und Menschenwürde als Relikte einer vergangenen Ära abtue, wende sie sich zugleich gegen jene Errungenschaft, die den biblischen Monotheismus auszeichne: Das Bekenntnis zu einem "allen Menschen gemeinsamen Wertehorizont".
Argumentativ basiere die heutige Neue Rechte auf der französischen rechten Bewegung aus der Mitte des 20. Jahrhunderts ("Nouvelle Droite"). Diese hatte - etwa mit dem Schlagwort "Polytheismus ist bekömmlich, Monotheismus aber unverdaulich!" des Philosophen Odo Marquard - die Überwindung der Idee der Gleichheit aller Menschen bereits ins Auge gefasst. Heute lasse sich dieser Gedanke etwa in Aussagen des AfD-Vordenkers Marc Jongen und anderen finden, der sich gegen einen "Primat der Moral über die Politik" ausspricht. Im selben Atemzug jedoch - so paradox es klingen mag - spreche sich die Neue Rechte für eine Bewahrung einer "christlich-humanistischen Orientierung in Fragen der Moral" aus. Anders gesagt: Die Neue Rechte verschreibe sich "immer mehr dem Geschäft der Rettung des Abendlandes", habe aber "im Grunde kein Problem damit, im selben Atemzug den Prozess des Sterbens christlicher Kirchen gutzuheißen".
Im Blick auf eine mögliche "Gegenstrategie" zeigt sich Niewiadomski indes zurückhaltend: So lange nämlich die von der Neuen Rechten betriebene "kulturelle Diffamierung des biblischen Monotheismus" und das dagegen in Stellung gebrachte Konzept eines "Ethnopluralismus", der auf Ungleichheit aufbaut, auch bis in bürgerliche Schichten hinein hingenommen oder gar beklatscht wird, werde es kein wirksames Gegenmittel geben. Es genüge auch nicht mehr, den Pluralismus "gesundzubeten" - dies könne den immer mehr entgleitenden gemeinsamen universalen "Wertehorizont" nicht ersetzen.
Quelle: Kathpress