
"Dringenden Handlungsbedarf" bei Wahlkarten
"Dringenden Handlungsbedarf" sieht der Wiener Theologe Paul Zulehner im Hinblick auf die anstehende Wiederholung der Bundespräsidentenstichwahl und die derzeitige Wahlkarten-Farce. "Auch ich gehöre zu denen, die eine Wahlkarten bekamen, die nach dem Ausfüllen und vor dem Einwerfen in den Briefkasten auf der Seite aufgeplatzt ist. Das kann ich eidesstattlich bezeugen", schrieb Zulehner am Freitag in seinem Blog https://zulehner.wordpress.com. "Ich will von der Republik die Garantie, dass meine Stimme wegen Ihrer Unfähigkeit, ordentliche Kuverts anzuschaffen, nicht ungültig ist", ärgerte sich der Religionssoziologe und Werteforscher.
Eine Schlamperei habe es auch bei der Adressierung der angeforderten Karte gegeben: "Ich wohne in 1130 Wien - und nicht in Vorarlberg", so Zulehner.
In den vergangenen Tagen hatte es Aufregung um die wegen Formalfehlern und nicht auszuschließender Manipulationen ohnehin bereits wiederholte Wahl um das Bundespräsidentenamt am 2. Oktober gegeben. Innenminister Wolfgang Sobotka lässt als oberster Chef der Wahlbehörde eine Verschiebung der Wahl überprüfen, wie er am Freitag mitteilte. Der Grund sind zahlreiche mangelhafte Kuverts für die Briefwahl. Wenn eine ordnungsgemäße Durchführung der Wahl aufgrund eines augenscheinlichen Produktionsfehlers nicht möglich sei, dann sei es seine Aufgabe, eine Verschiebung umgehend zu prüfen, so der Minister.
Paul Zulehner äußerte sich auch inhaltlich im Vorfeld der Wahl: Er wolle die österreichischen Katholiken bitten, an den unvergessenen Wiener Erzbischof und maßgeblichen Konzilsteilnehmer Kardinal Franz König (1905-2004) zu denken. "Von ihm habe ich gelernt, dass Europa und seine Einigung ein Projekt des Friedens und der Solidarität ist." Das wolle er - Zulehner - auch angesichts der "historischen Herausforderung" durch Kriegsflüchtlinge nicht gefährdet sehen. "Alles andere wäre für die nächste Generation fatal", warnte der Theologe vor antieuropäischen Haltungen.
Von "einer endlosen und demokratieschädigenden Farce" rund um die Wahl schrieb auch der in den Social Media überaus umtriebige Wiener Pfarrer von Breitenfeld und Jugendseelsorger Gregor Jansen. "Wäre es nicht das Einfachste (und der demokratischen Willensbildung entsprechende), die Aufhebung der Wahl zu revidieren und das traurige Spiel endlich zu beenden?", fragte Jansen am Freitag in einem Facebook-Eintrag. Das Ergebnis des Urnengangs sei ihm letztlich relativ egal, merkte er an, "ich werde mit jedem Präsidenten leben können". Die Vorgänge rund um die Wahl nehme er aus der Perspektive "eines verwunderten Gastes in diesem Lande" zur Kenntnis, so der aus dem Rheinland stammende Wiener Priester.
Quelle: kathpress