
Heilige Schrift ist beste Anleitung für "gutes Leben"
"In der Heiligen Schrift haben wir die wichtigsten Beispiele für ein gutes Leben": Das unterstrich der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz am Donnerstag beim vierten "Ethik-Forum St. Georgen" des "Wirtschaftsethik Instituts Stift St. Georgen" (WEISS) zum Thema "Das gute Leben" vor Führungskräften aus Industrie, Wirtschaft und dem Bankwesen. Die Bibel sei gleichsam das "Firmenhandbuch" des Christentums, das wiederum alles Notwendige einbringe, was zur Bildung des Gewissens, für Autonomie und für Freiheit wichtig ist, so Schwarz bei der Abendveranstaltung im Bischöflichen Bildungshaus Stift St. Georgen am Längsee.
Im Zwiegespräch mit Cecily Corti, der Obfrau der Vinzenzgemeinschaft St. Stephan und Leiterin der "VinziRast"-Einrichtungen, wies der Bischof auf die Liebe als Grundlage von menschlicher Identität und Entwicklung hin. "Weil ich geliebt werde, bin ich", sagte er in Abwandlung des berühmten Zitates von René Descartes. Für ein gutes Leben müsse ein Menschen zu hören bekommen: "Du bist jemand. Du bist geliebt. Du gehörst dazu."
Corti nannte als Triebfeder für ihren Einsatz "mein großes Interesse am Menschsein". Sie sei zutiefst überzeugt, dass "die Welt im Innersten von der Liebe zusammengehalten" wird.
Für den Trippledoktor und Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung der Universität Salzburg, Prof. Clemens Sedmak, hängt ein gutes Leben eng mit dem Bemühen um eine "tiefe Praxis der Menschenwürde" zusammen. Die Menschenwürde anderer auch unter Widrigkeiten anzuerkennen mache das eigene Leben nicht leichter, dafür aber anspruchsvoller und tiefer. Unternehmer müssten sich die Frage stellen, welche Strukturen bestmöglich Integrität sicherstellen.
"Ora et labora" immer noch aktuell
Coach, Dozent und Autor Anselm Bilgri, ehemaliger Benediktinermönch und Wirtschaftsleiter des Klosters Andechs, wies darauf hin, dass das benediktinische "ora et labora" nichts anderes bedeute als der moderne Wunsch nach "work-life-balance". Bilgri sprach sich für ein "Führen mit Achtsamkeit" aus. Dies bedeute die Fähigkeit und Bereitschaft, vor Entscheidungen auch den Blickwinkel des Anderen einzunehmen.
Bilgri bezeichnete die Benediktsregel als "ältestes Organisationshandbuch der europäischen Kultur". Er verwies auf die Aktualität von Tugenden wie Gehorsam, Demut und Gabe der Unterscheidung.
Ethik und Erfolg schließen einander nicht aus, betonte der Unternehmer und Autor Manfred Winterheller, Gastprofessor an der Donau-Universität Krems. Es sei sogar "leichter erfolgreich zu sein, wenn man anständig ist", denn "unethisches Handeln hat kurze Beine".
Beate Winkler, ehemalige Direktorin der EU-Grundrechtsagentur, sieht die Gesellschaft in einer tief greifenden Veränderung mit Flüchtlingen als deren Vorboten. Winkler plädierte dafür, sich den Wandlungsprozessen aktiv zu stellen und diese als Chance wahrzunehmen.
Als Best practice-Beispiele stellten Christina Staubmann das Projekt "Magdas" und Michele Falchetto das Projekt "Moduletto" vor. Wirtschaftlicher und sozialer Erfolg seien kein Widerspruch, so die Conclusio der Statements beider.
Im Rahmen des Ethik Forums St. Georgen überreichte Bischof Schwarz gemeinsam mit WEISS-Geschäftsführerin Mag. Martina Uster, MSc., das Ethik-Gütesiegel "zukunftsfähig & enkeltauglich" an die Wirtschaftskammer Kärnten, das sozialpädagogische und therapeutische Zentrum "Josefinum" und an die Firma "Biogena".
Quelle: kathpress