Eine moderne Selige: Hildegard Burjan
Fünf Jahre nach der Seligsprechung von Hildegard Burjan (1883-1933) haben am Samstag Mitglieder und Freunde der Caritas Socialis (CS) in der Wiener Servitenkirche der Ordensgründerin gedacht. Burjan sei "eine moderne Selige" und rufe auch heute noch dazu auf, "gut hinzuschauen, welche Situationen in unserer Welt heute Aufmerksamkeit brauchen, wie wir dazu beitragen können, gute Lebensbedingungen für alle Menschen zu gestalten", sagte Sr. Susanne Krendelsberger, die Generalleiterin der Gemeinschaft.
Seit 2012 wurde es um die Wiener Selige nicht still, legte Krendelsberger dar. Im Mittelgang der Wiener Stephansdoms wurde seither eine Burjan-Stele aufgestellt und auch in Görlitz und Brüssel, in Kroatien, Südtirol sowie im brasilianischen Guarapuava werde die neue Selige gefeiert und an sie gedacht. In Wien entsteht derzeit im 15. Gemeindebezirk eine Hildegard-Burjan-Pfarre und Bürgermeister Michael Häupl wird demnächst eine Gedenktafel im Rathaus zur Erinnerung an das Wirken Burjans im Wiener Gemeinderat enthüllen.
Festprediger Christoph Benke erinnerte an Hildegard Burjans unstillbaren Durst nach Gerechtigkeit, mit dem sie einem Kernpunkt der Bergpredigt entsprochen habe. Das Leben Burjans wie auch aller Heiligen und Seligen sei ein vom Geist Gottes inspirierter "lebendiger Kommentar" zu den Seligpreisungen und somit das "fünfte Evangelium". Erkennen könne man daran, "dass die Bergpredigt keine Träumerei, sondern dass sie vielmehr lebbar ist", sagte der Wiener Theologe und Hochschulseelsorger.
Große Gestalten wie Martin Luther King, Franz von Assisi oder auch Hildegard Burjan zeigten auch auf, dass niemand alle Seligpreisungen gleichzeitig verwirklichen könne, so Benke weiter. Vielmehr bekomme jeder Christ eine spezifische Sendung, und erst in der Gesamtheit des Lebens aller gelinge es, Christus nachzuahmen und abzubilden, so der Dogmatiker. Der heilige Geist fordere und ermutige dabei, "dem Gefühl der Überforderung nicht zu trauen, sondern den jeweils nächsten Schritt in der Nachfolge Jesu zu tun".
Bei dem Gottesdienst mit Weihbischof Franz Scharl und zahlreichen weiteren Konzelebranten wurden Bitten für Menschen ausgesprochen, die sich wie Hildegard Burjan für Gerechtigkeit einsetzen oder politisch engagieren. Erinnert wurde auch an alle, die sich für die Bekanntmachung Burjans engagiert oder zu ihrer Seligsprechung beigetragen hatten.
Hildegard Burjan wurde am 30. Jänner 1883 in Görlitz an der Neiße als zweite Tochter einer liberalen jüdischen Familie geboren. Nach einer schweren Erkrankung fand sie zum katholischen Glauben. Mit ihrem Gatten Alexander übersiedelte sie 1909 nach Wien und begann sich hier intensiv für Randgruppen der Gesellschaft zu engagieren. 1919 zog sie als erste christlich-soziale Abgeordnete in das Parlament der Ersten Republik Österreich ein. Als verheirate Frau und Mutter gründete sie die Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, deren Vorsteherin sie bis zu ihrem Tod im Jahre 1933 blieb. Sie gilt als die erste selige demokratisch gewählte Politikerin.
Quelle: Kathpress