
Universität feiert ökumenisches Doppel-Jubiläum
Ein ökumenisches Doppel-Jubiläum wird heute und morgen an der Universität Graz gefeiert: Vor 50 Jahren wurde das "Institut für Ökumenische Theologie und Patrologie" als erstes ökumenisches Institut überhaupt auf österreichischem Boden gegründet. Vor 30 Jahren wurde außerdem die Grazer Sektion der ökumenischen Stiftung "Pro Oriente" gegründet. Beide Jubiläen werden mit einem Festakt heute, Donnerstag, und einem ökumenischen Symposion am Freitag, 31. März, an der Universität Graz gefeiert.
Der Festakt findet im Grazer Meerscheinschlößl (Mozartgasse 3, Beginn: 17 Uhr) statt. Vorgesehen sind Festvorträge der Grazer Kirchenhistorikerin Prof. Anneliese Felber sowie des Grazer Liturgiewissenschaftlers Philipp Harnoncourt. Das Symposion am 31. März steht unter dem Titel "Die Eine Kirche - gab es sie jemals wirklich? Alte Kirche zwischen Realität und Mythos" (Ort: Universitätszentrum Theologie, Beginn: 9 Uhr). Referenten sind der Salzburger Kirchenhistoriker und Ökumene-Experte Prof. Dietmar Winkler, der Mailänder Kirchenhistoriker Prof. Cesare Alzati, sowie der im englischen Durham lehrende orthodoxe Theologe Prof. Andrew Louth.
Bewegte Institutsgeschichte
Unter dem Namen "Institut für Dogmengeschichte und Ökumenische Theologie" wurde das Institut am 17. Dezember 1966 als eine Folge der ökumenischen Öffnung durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) vom damaligen Unterrichtsminister Theodor Piffl-Perevi gegründet. Erster und langjähriger Leiter war der 2008 verstorbene Grazer Theologe Johannes B. Bauer, der das Institut bis zu seiner Emeritierung 1995 leitete. Bauer galt als Pionier der katholischen Bibelwissenschaft und als Vorkämpfer der Ökumene. Er war außerdem der erste Laie im deutschsprachigen Raum, der in katholischer Theologie habilitiert wurde.
Von 1997 bis 2008 wurde das Institut dann von der Theologin und Expertin für theologische Frauenforschung und Genderfragen, Prof. Anne Jensen geleitet. Seit 2011 ist der aus Argentinien stammende Prof. Pablo Argarate Leiter des Instituts. Er hat vor seiner Berufung nach Graz in Argentinien, Deutschland und Kanada gelehrt. Die Arbeitsschwerpunkte Argárates liegen in den Bereichen Pneumatologie und Orthodoxie. Wissenschaftliches Publikationsorgan des Instituts ist die seit 1977 erscheinende Reihe "Das Ökumenische Forum. Grazer Hefte für konkrete Ökumene". Bis 2008 war das Institut außerdem Herausgeber der Reihe "Grazer Theologische Studien".
1999 wurde das Institut schließlich mit der von Prof. Grigorios Larentzakis geleiteten Abteilung für Ostkirchliche Orthodoxie verschmolzen. Seither trägt das Institut den heutigen vollen Namen "Institut für Ökumenische Theologie, Ostkirchliche Orthodoxie und Patrologie". Larentzakis war 1969 in Innsbruck als erster nicht-katholischer Theologe an einer katholischen Fakultät in Österreich zum Doktor der katholischen Theologie promoviert. 1982 habilitierte er sich schließlich an der Universität Graz.
Im System der konfessionsgebundenen theologischen Fakultäten in Österreich war es einmalig, dass ein orthodoxer Theologe Mitglied einer katholischen Fakultät wurde. Von 1995 bis 1997 nahm Larentzakis auch die Agenden des Vorstands des Instituts für Ökumenische Theologie und Patrologie wahr. Ab 1997 war er der stellvertretender Leiter dieses Instituts. 2007 trat er in den Ruhestand.
30 Jahre "Pro Oriente" Graz
Die Sektion Graz der Stiftung "Pro Oriente" wurde vom damaligen Grazer Bischof Johann Weber am 14. November 1987 zur Förderung des inoffiziellen Dialogs zwischen katholischer und orthodoxer Kirche im Bereich der Diözese Graz-Seckau errichtet. Ein Schwerpunkt der Arbeit der Grazer Sektion liegt auf den orthodoxen Kirchen im südosteuropäischen Raum mit besonderem Fokus auf Rumänien, Serbien und Griechenland.
Vorsitzende der Sektion Graz waren Prof. Philipp Harnoncourt (seit 2005 Ehrenvorsitzender der Sektion) und ab März 2005 Prof. Basilius J. Groen. Seit 9. Oktober 2009 ist Hofrat Peter Piffl-Percevic Vorsitzender der Sektion. Sein Stellvertreter ist Prof. Larentzakis.
Quelle: kathpress