
Tück: Unter Franziskus den Katechismus weiterentwickeln
Hat der Katechismus der Katholischen Kirche heute, 25 Jahre nach seiner Veröffentlichung, theologisch ausgedient? Mitnichten, sagt der Wiener Dogmatiker Prof. Jan-Heiner Tück. Der Katechismus sei zur Bekämpfung einer "Glaubenserosion in den Transformationsprozessen der globalen Moderne" entwickelt worden und werde weltweit auch im Religionsunterricht zum Teil mit Erfolg eingesetzt, sagte der Theologe im Gespräch mit "Kathpress". Angesichts der vielen verschiedenen Kulturen, in die das Christentum je unterschiedlich hinein inkulturiert sei, wäre es jedoch an der Zeit, "Katechismen im Plural zu entwickeln, die auf die unterschiedlichen Kulturräume Bezug nehmen", so Tück.
Die Zeit dafür sei günstig, da sich mit Papst Franziskus auch der theologische Wind gedreht habe: Habe unter Johannes Paul II. noch die Angst vor der Pluralität auch in Glaubensfragen überwogen, so dass man etwa mit dem Katechismus "Pflöcke in Richtung einer gewissen Uniformität des Glaubens" einschlagen wollte, so setze Franziskus mit seinem "Programm der heilsamen Dezentralisierung" heute auch theologisch einen "Kontrapunkt", dem man mit der Entwicklung von Katechismen im Plural entgegnen müsste.
Einsatzmöglichkeiten für den Katechismus sieht Tück u.a. im Religionsunterricht: So müsse man feststellen, dass der Religionsunterricht in punkto Vermittlung von Glaubenswissen heute vielfach versage: "Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass die Religionspädagogik die katechetische Dimension der Glaubensvermittlung sehr weit in den Hintergrund gedrängt hat. Teilweise durchaus zurecht, da es ja nicht nur darum geht, papageien-theologisch zu wiederholen, was im Katechismus steht. Man hebt stärker auf Erfahrung ab, auf Hinterfragen, Dialogfähigkeit etc. Die Kehrseite ist, dass es tatsächlich zu einer Verdunstung des Glaubens gerade an Orten der Glaubensvermittlung kommt. Und das ist tragisch." Der Katechismus könne in dieser Situation eines von mehreren Mitteln sein, um wieder stärker die Glaubensweitergabe in den Mittelpunkt zu rücken.
In dem Maße, wie der Glaube und ein gewisses Maß an Glaubenswissen heute nicht mehr selbstverständlich vorausgesetzt werden könne, da er kaum mehr zur Lebensrealität junger Menschen gehöre, brauche es neue Vermittlungsinstanzen des Glaubens wie etwa den Katechismus: "Das wäre allerdings nicht im Sinne eines neo-konservativen Turns misszuverstehen, dass man wieder Katechismus-Wahrheiten auswendig lernen lässt - damit ist niemandem geholfen; sondern dass man versucht, die zentralen Sinngehalte des Glaubens, wie sie im Credo fixiert sind, situationsgemäß, adressatengemäß zu übersetzen", so der Wiener Theologe.
Quelle: kathpress