Leiter der ORF-TV-Religion: "Man begrüßt, was wir tun"
Das von Wertschätzung geprägte Verhältnis zwischen ORF und Religionsgemeinschaften hat der Leiter der Religionsabteilung im ORF-Fernsehen, Gerhard Klein, betont. Gemäß dem ORF-Gesetz seien alle in Österreich anerkannten Kirchen und Religionsgemeinschaften in der Berichterstattung angemessen zu berücksichtigen. "Wir halten natürlich engen Kontakt mit allen Religionen", wie Klein im Interview mit der aktuellen Ausgabe von "TV-Media" hinwies. "Man begrüßt, was wir tun. Aber das Wichtige ist auch hier die Unabhängigkeit des ORF."
Das Gesetz spreche im Plural. "Wir gehen deshalb von der Gleichwertigkeit aller Religionen aus", erklärte Klein. Der Islam etwa werde "schon sehr, sehr lange" in den Beiträgen der ORF-Religion wahrgenommen. Auf die Frage, warum christliche Gottesdienste übertragen werden, es aber "kein Äquivalent für die islamische Glaubensgemeinschaft" gebe, antwortete der ORF-Vertreter, eine diesbezügliche Anregung sei von muslimischer Seite "auf keine große Gegenliebe gestoßen". Auch die jüdische Gemeinde wolle das nicht. "Wir behelfen uns in unseren TV-Magazinen, indem wir ausführliche Interviews aus muslimischen und jüdischen Gemeinden bringen", so Klein.
Zu den TV-Messen im ORF - neben zwölf eigenproduzierten pro Jahr fünf weitere aus Rom oder Deutschland übernommene - verwies Klein auf den bemerkenswerten Zuspruch bei den Zusehern: Gerade dem ZDF-Publikum "scheint das Barocke an unseren Messen jedenfalls zu gefallen, quotentechnisch liegen wir im Spitzenfeld der Deutschen", sagte Klein. Der jüngst aus der Steiermark übertragene Gottesdienst mit dem designierten Bischof Hermann Glettler hatte laut ORF in Österreich etwa 90.000 Seher, in Deutschland sogar 700.000.
Die im Zuge des Anti-Kirchen-Volksbegehrens 2013 in Frage gestellte "Schweigeminute" im ORF-Fernsehen zur Todesstunde Jesu am Karfreitag trifft laut Klein den Sachverhalt nicht ganz: "Wir schweigen nicht zu diesem Zeitpunkt, sondern machen eine eigene kurze Sendung in ORF 2, zeigen Bilder eines österreichischen Künstlers und unterlegen diese mit Text." Mittlerweile geschehe dies auch nicht mehr um exakt 15 Uhr. "Wir sind ans Programmschema angepasst."
"Unabhängig und fachkompetent"
Gerhard Klein ist nicht nur Leiter der Abteilung Religion, sondern auch der Wissenschaft im ORF. Auf die Frage, wie sich diese "diametral gegenüberstehenden Weltanschauungen" vereinbaren lassen, antwortete er lapidar: "Das lässt sich einfach vereinbaren. Unsere 'Weltanschauung' ist weder die Wissenschaft noch die Religion, sondern der Journalismus - und der hat da wie dort unabhängig und fachkompetent zu sein."
"TV-Media" nannte zu dem Interview aktuelle Zahlen zum Religionsprogramm im ORF-Fernsehen: Jede Woche werden 3,5 Stunden Programm gestaltet, darunter Formate mit jahrelanger Tradition wie das Magazin "Orientierung" oder die Doku-Schiene "kreuz und quer". Anerkennend heißt es in "TV-Media": "Das kleine, aber feine, knapp über ein Dutzend Köpfe starke Team der ORF-Religionsabteilung steht für hohe Qualität im Kern des öffentlich-rechtlichen Auftrags."
Quelle: kathpress