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Andreas Walch

Vaterunser-Übersetzung war noch nicht Thema der Bischofskonferenz

Generalsekretär Schipka verweist auf anstehende Neuübesetzung des Römischen Messbuches in die Landessprachen - Deutsche Fachleute: "Und führe uns nicht in Versuchung..." beibehalten

11.12.2017

Die Neuübersetzung des Vaterunser war bisher nicht Thema der Österreichischen Bischofskonferenz. Das hat deren Generalsekretär, Peter Schipka, am Montag gegenüber "Kathpress" bestätigt. Die Thematik müsse insgesamt im Kontext der geplanten Neuübesetzung des Römischen Messbuches in die Landessprachen gesehen werden, wies er hin. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Matthias Kopp, erklärte am Montag auf Anfrage von "Kathpress" hinsichtlich eine möglichen Änderung bei der Vaterunser-Übersetzung, dass die DBK "dazu keine Stellungnahme abgibt".

 

Für den deutschsprachigen Raum werde das Projekt einer Neuübersetzung des Messbuches derzeit gemeinsam mit den Bischofskonferenzen neu organisiert, erläuterte der Leiter des Österreichischen Liturgischen Instituts, Pater Winfried Bachler, im Interview mit "Kathpress". Erst im Zuge dessen, könnte sich - wenn überhaupt - die Frage nach einer möglichen geänderten deutschen Fassung des Vaterunser stellen. Konkret gehe es zuerst darum, die neuen Vorgaben durch das vatikanische Motu Proprio "Maximum Principium" auf die Arbeit an einem neuen gemeinsamen Messbuch für den deutschsprachigen Raum anzuwenden; dieses Vatikan-Dekret vom Oktober änderte die Regeln für die Übersetzung liturgischer Texte und die Zuständigkeiten der Bischofskonferenzen dabei.

 

Unabhängig von möglichen Formulierungsänderungen bei den Gebeten und beim Messbuch sei die Frage nach den biblischen Texten im Gottesdienst zu sehen, führte Bachler weiter aus. Hier gebe es bereits mit der von den deutschsprachigen Bischofskonferenzen beschlossenen "Revidierten Einheitsübersetzung" eine klare Vorgabe. Sie soll ab Advent 2018 im Gottesdienst mit dem neuen Lektionar, das die Texte für die Lesungen, das Evangelium und die Psalmen enthält, eingeführt werden. Auch beim seit vier Jahren eingeführten "Gotteslob", dem Gebet- und Gesangbuch für Österreich und Deutschland, sieht Pater Bachler derzeit keinen Änderungsbedarf. Erst wenn das neue Messbuch für den deutschsprachigen Raum in Geltung sei, könnte das Auswirkungen auf das "Gotteslob" haben. Der Zeitraum dafür sei aber derzeit noch nicht absehbar.

 

Auslöser war französische Neuübersetzung

 

Die Debatte entzündete sich an einer Neuübersetzung aus Frankreich. Seit dem ersten Advent beten die französischen Katholiken: "Lass uns nicht in Versuchung geraten" ("Ne nous laisse pas entrer dans la tentation") statt "Unterwerfe uns nicht der Versuchung" ("Ne nous soumets pas a la tentation"), wie es davor hieß.

 

Die in Deutschland gebräuchliche Fassung von 1971 wurde von Katholiken und Protestanten gemeinsam erarbeitet; in der revidierten Lutherbibel wie auch in der neuen, für den deutschen Sprachraum verbindlichen Einheitsübersetzung wurde die Formulierung "Und führe uns nicht in Versuchung..." beibehalten. Dazu erklärte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Sonntag auf seiner Facebook-Seite: "Es führt kein Weg an der Feststellung vorbei, dass die deutsche Übersetzung dem griechischen Urtext im Matthäus- und Lukasevangelium entspricht." Frühere Versuche, die griechische Version ins Aramäische, die Sprache Jesu, zurück zu übersetzen, hätten nicht überzeugt. "Wir werden also den griechischen Text als das Gebet Jesu nehmen müssen", so Kohlgraf.

 

Bei der Bitte, dass Gott uns nicht in Versuchung führen möge, geht es nicht um kleine Versuchungen, sondern um die Situation einer Grundentscheidung für oder gegen Gott.

 

Die Gläubigen beten anschließend, dass Gott sie vom Bösen erretten möge. "Mir scheint es nicht sinnvoll, das Gottesbild weich zu spülen und alles wegzustreichen, was ich nicht verstehe", betonte Kohlgraf. "Allein, dass über ein Gebet so diskutiert wird wie derzeit, spricht dafür, die Übersetzung zu belassen."

 

Auch Söding und Käßmann für Beibehaltung

 

In diesem Sinne äußerte sich auch der renommierte katholische Bibelwissenschaftler Thomas Söding. Im Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag) wies er darauf hin, dass seit Martin Luther "die deutsche Übersetzung des Vaterunser ein und dieselbe" sei. "Sie ist präzise, und sie ist tief. Falsch ist nur die Behauptung, die Übersetzung sei falsch", so der Professor für neutestamentliche Exegese an der Ruhr-Universität Bochum. Söding hatte in der Reformkommission mitgearbeitet, die 2017 eine Neufassung der Einheitsübersetzung der Bibel vorlegte. Er rät den Christen: "Sie sollen beten, was sie immer gebetet haben: Und führe uns nicht in Versuchung."

 

Zur französischen Übersetzung meinte der Experte im Gespräch mit dem Kölner "domradio": "Das ist meines Erachtens keine Übersetzung, sondern eine Paraphrase." "Unterwerfe uns nicht der Versuchung" stehe in der Tat für ein "brutales Gottesbild". Eine Neuübersetzung war somit angezeigt. "Aber meines Erachtens hat man da des Guten zu viel getan und das Gottesbild ein wenig weichgezeichnet" meinte Söding.

 

Auch die evangelische Theologin Margot Käßmann bekräftigte in der "Bild am Sonntag" die Haltung ihrer Kirche: "Ich bin dafür, das Vaterunser zu belassen wie es ist." Das Gebet gehe wohl auf Jesus selbst zurück. Käßmann: "Wenn wir anfangen, Änderungen zu diskutieren, gibt es unzählige Kommissionen, Vorschläge, Auseinandersetzungen." Sie rief dazu auf, "das eine gemeinsame Gebet der Christenheit wirken" zu lassen.

 

 

Quelle: kathpress

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