
Ex-Vizekanzler Mitterlehner: "Rache und Revanche bringen nichts"
Unter dem Motto "loslassen befreit" steht die aktuelle Ausgabe der "Ordensnachrichten" (ON). Als "Experte" berichtet darin Ex-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner über das "Loslassen" von allen seinen politischen Ämtern, wie er dies "verarbeitet" hat, weshalb er keine "Rache" übte und welche Art von "Befreiung" er gerade erlebt. Mitterlehner: "Die Entscheidung, alle politischen Ämter abzugeben und zurückzutreten, lässt sich nicht auf einen Faktor zurückführen. Es ist wie bei einem Mosaik. In jedem Fall wollte ich selbst die Entscheidung treffen und als Sachpolitiker erhobenen Hauptes von der Bühne gehen. Diese Selbstbestimmung war mir ganz wichtig."
Mitterlehner war im Mai als Vizekanzler, Wirtschaftsminister und ÖVP-Chef zurückgetreten. Mit öffentlichen Stellungnahmen habe er sich danach bewusst zurückgehalten. "Mehr als 30 Anfragen habe ich bekommen, auch aus dem Ausland wären Fernsehteams angerückt", erzählt Mitterlehner, der alle Anfragen ablehnte. Seine Begründung: "Es hätte mir nichts gebracht und ich hätte jemand geschadet."
Der langjährige Spitzenpolitiker spricht auch offen davon, dass er sich in dieser Situation professionell helfen und begleiten hat lassen. "Diese Revanche oder fast Rache erwarten viele, aber sie bringt nichts. Niemandem. Auch wenn es noch so verlockend oder berechtigt wäre. Außerdem halten dich diese Gedanken in der Situation gefangen. Du musst umblättern und das neue Kapitel anfangen zu leben, zu gestalten." Wichtig geworden sei ihm, so Mittlerlehner, ein "neuer Abstand, der vorher nicht mehr da war in der Tretmühle der Politik". Deshalb habe er sich keine einzige Fernsehdiskussion im Wahlkampf angeschaut.
Im Interview für die aktuelle Ausgabe der ON Ordensnachrichten, die kurz nach Weihnachten erscheint, hält der Ex-Politiker auch Vorschau auf sein weiteres Leben. "Eine neue Wahrnehmung ist da. Ich entdecke Orte, an denen ich als Politiker war, ganz neu und sehe, erlebe, genieße sie viel dichter." Die Faktoren für sein neues Leben: Sich neu berühren lassen, den Tag strukturieren, ein Tagewerk vollbringen, unter die Menschen gehen und sich helfen lassen. "Jetzt kann ich meine Ziele selber stecken."
Die ON "Ordensnachrichten" sind das offizielle Kommunikationsorgan der Ordensgemeinschaften Österreichs für Ordensleute und leitende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Tätigkeitsbereichen der Orden: Ordensspitäler, Pflegeheime und Kurhäuser, Ordensschulen, Kulturgüter, Katholische Kindertagesheime, Bildungshäuser sowie Medienschaffende und EntscheidungsträgerInnen. Das Magazin erscheint sechsmal im Jahr.
Quelle: kathpress