
Scheuer über Aichern: "Du bist ein Segen für Diözese und Land"
"Du bist ein Segen für uns in Oberösterreich und in der Diözese Linz." Mit diesen Worten würdigte Bischof Manfred Scheuer seinen Vor-Vorgänger im Amt als Linzer Diözesanbischof, Maximilian Aichern, anlässlich eines Festgottesdienstes zu dessen 85. Geburtstag am Stephanitag im Linzer Dom. "Aggiornamento" und "Coraggio" - Verheutigung und Mut - gehörten zu Aicherns Grundvokabular, das er auch in seinem Leben und Wirken verkörpert habe, so Scheuer über Aichern. Der Jubilar habe als Mensch und Seelsorger viele zur Freude am Christsein motiviert und dabei einen "aufbauenden, Fenster öffnenden Blick in die Zukunft der Kirche erschlossen".
Scheuer beschrieb Aichern am Ende des Festgottesdienstes als Pilger und Wanderprediger, der geografisch, aber auch "existentiell in Beziehungen und in unterschiedlichen Milieus" unterwegs sei. Gleichzeitig erinnerte Scheuer an Aicherns Wirken als "Sozialbischof": "Du stehst für die Vitalität der Kirche in der sozialen Frage, (mit)verantwortlich für den Sozialhirtenbrief der österreichischen Bischöfe, für das ökumenische Sozialwort der Kirchen. Dein Name steht für eine starke Sozialpartnerschaft und für die Allianz für den freien Sonntag". Der emeritierte Linzer Bischof habe sich aber auch "für eine intensive Auseinandersetzung mit den Abgründen unserer Geschichte wie mit der Vernichtungsanstalt Hartheim oder dem Konzentrationslager Mauthausen" eingesetzt. "Du bist historisch höchst interessiert und informiert, du bist gesprächsfähig, Dialog eröffnend für unterschiedliche Ideologien", so Scheuer an den Jubilar.
Stephanus ist Vorbild für verfolgte Christen
Das Wort ergriff Bischof Aichern beim Gottesdienst in der Predigt, in dessen Zentrum er das Martyrium des hl. Stephanus und seine Bedeutung für Weihnachten stellte. So sei der geöffnete Himmel, von dem Stephanus im Text aus der Apostelgeschichte spreche, der Kern der Weihnachtsbotschaft. "Auch heute kommt Gott mit seiner Liebe, seiner Freude und seinem Frieden zu uns. Gott hat uns reich beschenkt, als er den Himmel für uns öffnete und mit seinem Kommen diese Erde mit Spuren des Himmels erfüllt hat. Der als Kind in Bethlehem geborene Gottessohn ist der Menschensohn, den Stephanus an der Seite Gottes in der Herrlichkeit des Himmels sieht", so Aichern.
Darüber hinaus habe das Leben und Mühen von Stephanus, der mit dem Dienst an den Armen und Hilfsbedürftigen betraut worden sei, die Weihnachtsbotschaft verkündet: "Er hat mit seinen großen Fähigkeiten das fortgesetzt, was die Hirten in Bethlehem begonnen haben, nämlich die Botschaft vom gekommenen Messias weiterzusagen und erleben zu lassen", sagte der frühere Linzer Bischof. Stephanus habe in der Nachfolge Jesu Verfolgung und letztlich den gewaltsamen Tod auf sich genommen und wie Jesus um Vergebung für seine Mörder gebetet. Er sei dadurch "Vorbild für die tausenden von Christen, die in der Kirchengeschichte und auch heute wegen ihres Glaubens bedrängt und verfolgt werden, die ihr Leben für Gott und die Mitmenschen hingeben", sagte Aichern.
Christen dürften erleben, dass der Himmel nicht nur zu Weihnachten offen sei, sondern dass Gott mit seiner Liebe immer nahe sei und dass Jesus ihnen bei Gott eine Heimat bereitet habe. "Auf diese Heimat pilgern wir zu und arbeiten dabei geistlich, menschlich und gesellschaftlich nach den Notwendigkeiten der jeweiligen Zeit, mit Blick auf das Evangelium Christi", so Aichern. Der Jubilar schloss mit einem für ihn typischen Wunsch:"Lassen wir uns die Freude am Menschsein und am Christsein nie durch etwas nehmen!"
Unter den zahlreichen Mitfeiernden waren der ebenfalls emeritiere Linzer Bischof Ludwig Schwarz und die Mitglieder des Linzer Domkapitels mit Dompropst Wilhelm Vieböck und Dompfarrer Maximilian Strasser an der Spitze. Bei der Festmesse erklang die "Zauberflötenmesse" eines anonymen Komponisten, bei der Melodien aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte" mit lateinischen Messtexten zu hören sind. Die Komposition war um 1800 entstanden und erst vor etwa 20 Jahren in Wien-Lichtental wiederentdeckt worden. Aichern hatte sich diese Messe schon 2012 zum 30-Jahr-Jubiläum seiner Bischofsweihe gewünscht.
Halbrundes Jubiläum
Maximilian Aichern wurde am 26. Dezember 1932 in Wien geboren, arbeitete nach der Matura in der elterlichen Fleischhauerei und trat 1954 in das Kloster St. Lambrecht ein. Nach dem Studium in Salzburg und Rom wurde er 1959 zum Priester geweiht, wurde 1977 Abt von Sankt Lambrecht sowie schon im Jahr darauf zum Abtpräses der österreichischen Benediktiner gewählt. Ende 1981 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Bischof von Linz, gefolgt von der Bischofsweihe am 17. Jänner 1982 mit rund 10.000 Gläubigen im Linzer Dom.
Höhepunkte in Aicherns diözesanem Wirken waren u.a. die Feier zum 200jährigen Bestehen der Diözese Linz 1985, eine Diözesanversammlung 1986 und die Besuche von Papst Johannes Paul II., der 1988 nach Enns-Lorch sowie ins ehemalige Konzentrationslager Mauthausen kam. In nur zehn Jahren war Aichern in sämtlichen 485 Pfarren der Diözese zur offiziellen bischöflichen Visitation.
Einen besonderen Namen machte sich Aichern jedoch auch österreichweit als "Sozialbischof": Etwa durch seine Federführung beim "Sozialhirtenbrief" der österreichischen Bischöfe 1990, beim Sozialwort der 14 christlichen Kirchen 2003 oder durch seinen vehementen Einsatz in der "Allianz für den arbeitsfreien Sonntag". In Linz gründete er die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung und beherbergte Flüchtlingsfamilien im Bischofshaus.
Am 18. Mai 2005 nahm Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch von Bischof Aichern an, der sein Amt vier Monate später an seinen Nachfolger, Bischof Ludwig Schwarz, übergab. Diesen sowie auch den derzeitigen Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer unterstützte Aichern weiter in liturgischen und repräsentativen Aufgaben und übernahm laufend Aushilfen in oberösterreichischen Pfarren oder Dienste in österreichischen Klöstern.
Quelle: kathpress